"Spielen Sie das auch gut ?"

- Von seiner Herkunft her ist der Name Frances-Marie Uitti im ersten Moment schwer einzuordnen. Er könnte durchaus französisch-italienischen Ursprungs sein - ist es aber nicht. Denn die ganz der Avantgarde verschriebene Experimental-Cellistin, berühmt vor allem für die von ihr entwickelte Spieltechnik mit zwei Bögen, ist Amerikanerin, stammt aus Chicago. Die Wurzeln ihres Familiennamens sind finnisch.

<P>Im Rahmen der "Nachtmusik der Moderne" gastiert sie an diesem Samstag, 22 Uhr, in der Rotunde der Münchner Pinakothek der Moderne. Gewidmet ist dieses Konzert einem der großen "Außenseiter" des 20. Jahrhunderts, dem italienischen Komponisten Giacinto Scelsi (1905-1988). Mit ihm verband Uitti eine besondere Freundschaft: "Es war vor allem eine enge künstlerische Beziehung. Kennen gelernt haben wir uns zu Beginn seines letzten Lebensjahrzehnt. Er war sehr viel älter und daher eine Art Großvater und Mentor für mich. Scelsi war sehr vornehm. Ein hingebungsvoller und engagierter Musiker, meditativ und an mystischen Künsten interessiert."<BR><BR>Erstmals begegnet sind sich Scelsi und Uitti während eines Konzertes in Rom. "Dort spielte ich die kurzen Webern-Stücke, und er schlurfte an diesem Wintertag auf mich zu, bohrte, nur einen Schritt von mir entfernt, seine blauen Augen in meine und fragte: Spielen Sie das auch gut? Und ich dachte, ,um Gottes Willen, was soll ich sagen?, und antwortete: ,Maestro, Sie haben über eineinhalb Minuten Zeit, das für sich zu entscheiden. Und dann spielte ich das Konzert. Anschließend lud er mich zu sich nach Hause ein, spielte mir seine Musik vor, die mich sofort begeisterte." Seitdem arbeiteten die beiden zusammen. Scelsi hat für Uitti viel komponiert.<BR><BR>"Ich tendierte immer zum Einzelgängertum, durch Scelsi fand ich meinen Weg als Solo-Interpretin zeitgenössischer Musik. In Amerika war das zuvor nicht möglich, aber durch Scelsi lernte ich, Musik lebender Komponisten zu spielen." Dessen ungeachtet führt Frances-Marie Uitti überhaupt gerne Musik aller Komponisten auf, die das Cello kannten. Eine besondere Affinität hat sie zu Beethoven. Die Solo-Stücke der Scelsi-Trilogie, die Frances-Marie Uitti in München präsentieren wird, tragen die Titel "Triphon", "Dithome" und "Ygghur" und entstanden zwischen 1956 und 1964.<BR><BR>Mit einem weiteren Konzert ganz anderer Art ist Frances-Marie Uitti dann Sonntagabend nochmals in München zu hören: Zusammen mit dem englischen Autor Paul Griffiths präsentiert sie in der Black Box im Gasteig um 20 Uhr die Uraufführung ihrer gemeinsam konzipierten Szenen für Sprechstimme und Violoncello mit dem Titel "there is still time", basierend auf den Worten der unglücklichen Ophelia in Shakespeares "Hamlet". Rund fünfhundert Worte bilden die Basis der 17 Szenen. "In diesem Dialog zwischen dem Cello und der menschlichen Stimme haben wir die Wörter zu einem ganz außergewöhnlichen, modernen Text zusammengesetzt, sodass man kaum glaubt, dass das Original vor mehr als vierhundert Jahren entstand." <BR></P><P> </P>

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