Spielen für Dresden

- Fast drei Wochen ist das her, als die Musiker der Staatskapelle Dresden auf dem Münchner Flughafen einschwebten, weiter nach Salzburg fuhren zu den Proben für "Die Liebe der Danae" und "hautnah" miterlebten, wie Teile des Chiemgaus und Salzburger Lands überschwemmt wurden. Ihr spontaner Entschluss: "Wir machen was für Österreich", wie es Orchesterdirektor Jan Nast formuliert. Die Einnahmen des Benefizkonzerts gingen an die Flutopfer, doch wenige Tage später das Unfassbare: Auch Dresden, Heimat und Wirkungsstätte des Ensembles, versank im Hochwasser.

Während Angehörige und Freunde des Orchesters verzweifelt um ihre Stadt kämpften, während die Keller der Musiker voll liefen und Dächer dem Dauerregen nicht mehr standhielten, musste sich die Staatskapelle also im "sicheren" Salzburg mit Richard Strauss beschäftigen. "Wir fühlten uns so unnütz", sagt Nast heute. <BR><BR>"Natürlich sind wir Profis genug, dass man unsere Verzweiflung den Salzburger Aufführungen nicht anhörte, aber es gab für uns kein anderes Thema als diese Katastrophe." Einige Musiker eilten zwischen den Proben nach Dresden "zum Anpacken", bei einem Fagottisten, so berichtet Nast, stand das Wasser bis unter die Decke, bei ihm selbst drang das Nass durchs Dach. <BR><BR>Was also tun? "Wir konnten nur mit unseren Möglichkeiten handeln: spielen und sammeln." Und das geschieht auch an diesem Freitag in der Münchner Philharmonie, wenn die Staatskapelle Dresden um 20 Uhr ein Benefizkonzert mit ihrem neuen Chefdirigenten Bernard Haitink gibt. Auf dem Programm: Mozarts G-Dur-Violinkonzert (Solist: Frank-Peter Zimmermann) sowie Strauss' "Alpensinfonie". <BR><BR>Alle Mitwirkenden verzichten auf ihre Gage, der Münchner Konzertveranstalter Georg Hörtnagel organisierte den Abend ohne Provision, eine Agentur stellt Gratis-Busse von Salzburg nach München zur Verfügung. Mittlerweile steht die Staatskapelle am Beginn einer regelrechten Benefiztournee: Am 2. September ein Abend in Dresden, tags darauf am gleichen Ort ein großes ZDF-Projekt mit dem Titel "Ein Konzert für Dresden" (3sat sendet ab 22.15 Uhr), danach folgen Krakau, Berlin und Frankfurt. Terminlich lässt sich das problemlos einrichten, denn die Semperoper, Heimat der Staatskapelle, ist unbespielbar. <BR><BR>Jan Nast: "Das war ein weiterer Schock, als die Nachricht bekannt wurde: Wir müssen die Oper aufgeben." Denn das Wasser legte die gesamte Technik lahm, im Keller schwammen zwei Steinways, eine Orgel wurde zerstört, einzig der Zuschauerraum und das Notenarchiv, immerhin, blieben verschont. Der Sachschaden beträgt rund 16 Millionen Euro, der künstlerische lässt sich nicht beziffern, denn: Wann die Semperoper wieder öffnet, vermag niemand zu prophezeien. "Wir suchen jetzt nach Ausweichräumen", sagt Nast. "Kirchen oder der Kulturpalast kämen in Frage. Viele Opernabende könnte man durch konzertante Aufführungen ersetzen." Noch ist also alles offen, eine vorläufige Planung gibt es nur bis Mitte Oktober. Eigentlich sollte in der Oper schon am 13. August die Saison festlich eröffnet werden - mit, da kann sich Nast ein bitteres Lachen nicht verkneifen, "Schwanensee". 

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