Spielen und leben

- Er war einer, der alles konnte - schauspielen, singen, tanzen. Und er konnte vor allem - leben. Jetzt hat der Tod ein jähes Ende gesetzt. Völlig überraschend und viel zu jung ist Erich Hallhuber im Alter von 52 Jahren gestorben. Todesdatum, vermutlich vor sechs Tagen, und Todesursache - ganz sicher kein Fremdverschulden - sind noch unbekannt.

<P>Seine engsten Freunde, die Schauspieler Rita Russek und Miroslav Nemec, hatten in großer Sorge am Sonntagabend seine Münchner Wohnung öffnen lassen, nachdem es seit mehreren Tagen kein Lebenszeichen von ihm gab. Dort wurde der Schauspieler tot im Bett aufgefunden.</P><P>"Wir kennen uns seit 25 Jahren; wir haben elf Jahre zusammen gewohnt, und wir haben noch viele Pläne miteinander gehabt. Ich verliere mit ihm meinen besten Freund."<BR>Miroslav Nemec</P><P>Fassungslosigkeit und Trauer bei jedem, der Erich Hallhuber kannte, ob privat oder beruflich. Und schon beginnt der Prozess, dass man sich und der Öffentlichkeit bewusst zu machen versucht, welch großer Künstler uns mit Erich Hallhuber verlassen hat. Er gehört zu jenen, die das Bild, das man sich "draußen" vielfach von den Bayern macht, mit positiven, progressiven Akzenten versehen. Seit 25 Jahren war er als Schauspieler in München präsent, charmant, liebenswert, voller Witz und Ironie. Das Theater machte ihn bekannt, Fernsehen und Film populär. Dass er einer war, dessen Rückgrat sich nicht verbiegen, dessen Charakter sich nicht korrumpieren ließ, brachte ihm die Achtung aller ein.<BR><BR>Das Geheimnis seines großen beruflichen Erfolges - ob im Theater, im Fernsehen oder auf dem Podium des Kabaretts - waren seine Lebenszugewandtheit, sein Lebensrealismus, seine Menschenfreundlichkeit. Und was für ihn dazu gehörte: sein politisches Engagement. Es war für Hallhuber genauso selbstverständlich, bei der großen Münchner "Demo gegen Rechts" dabei zu sein wie als Kuratoriumsmitglied des Jüdischen Zentrums München Einfluss nehmen zu können.<BR><BR>"Wir waren jahrelang mit ,Szenen einer Ehe' auf Tournee, das hat uns so zusammengeschmiedet. Eine Verbindung, die nie, nie, nie aufhören wird."<BR>Rita Russek</P><P>Dieses Sich-verantwortlich-Fühlen mag auch der Grund gewesen sein, warum er für das traditionelle Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg 1997 in die Rolle des Bruder Barnabas schlüpfte: der politischen Prominenz die Leviten lesen aus der Sicht der "kleinen Leute". Doch als er im Jahr darauf einige Sätze der vorgefertigten Bußrede strich, um seine eigene Meinung satirisch einzubauen, war das auch schon sein letzter Bier-Auftritt. </P><P>An die Leine, wie es sich die Veranstalter für 1999 erhofft hatten, war der prominente Schauspieler nicht zu legen: "Ich lasse mir nicht öffentlich den Mund verbieten." Hallhuber kündigte. Er hatte ja auch andernorts genug zu tun. Das Fernsehen konnte und wollte auf diesen Künstler nicht verzichten. Als zwielichtiger Schieber Metzger-Willy verlieh er den 36 Folgen der "Löwengrube" Format. Als Amtsrichter Wunder verhalf er der Serie "Café´ Meineid" zum Kultstatus. Gerade hatte er noch eine neue Staffel abgedreht; ab 31. Oktober ist Hallhuber in acht weiteren Folgen in seiner Glanzrolle zu sehen.</P><P>"Wir sind alte Freunde, haben uns noch jetzt in den Theaterferien besucht. Er war voller Pläne und neuer Absichten, beruflich wie privat."<BR>Frank Baumbauer</P><P>"Einmal im Jahr Theater spielen." Das hatte der beliebte Schauspieler sich vorgenommen, als er 1986 das Residenztheater verließ. Dort war der am 14. Juli 1951 in München geborene Erich Hallhuber nach Falckenbergschule und Kölner Debütjahren sieben Spielzeiten lang engagiert - erst unter Intendant Kurt Meisel, dann unter Frank Baumbauers Leitung. Hier bot sich ihm die breite Palette des klassischen Repertoires. Er spielte Aischylos, Shakespeare und Molière, war Nick in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", der Merkl Franz in "Kasimir und Karoline" und sang sich in Brecht/ Weills "Happy End" als charmanter Oberganove in die erste Reihe des Bayerischen Staatsschauspiels. </P><P>Seinen größten Bühnenerfolg erfuhr Erich Hallhuber durch Ingmar Bergman. Schwedens Regie-Großmeister hatte sein Stück "Szenen einer Ehe" in München selbst herausgebracht. Hallhuber spielte den Johan. Zunächst in München mit Gabi Dohm, dann durch halb Europa tourend mit Freundin und Kollegin Rita Russek. Es wurde seine Lebens-Rolle.<BR><BR></P>

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