Auf der Spielwiese für Eingeweihte

- Gar nicht wiedererkannt hat man die gute alte Biennale zunächst. Eigentlich wollte doch der künstlerische Leiter Peter Ruzicka nach der "zweiten Moderne" forschen, aber drei der fünf Komponisten besannen sich glatt auf dort Verpöntes: auf literarische Stoffe, auf nachvollziehbares Erzählen, auf Sinnlichkeit und/ oder Humoristisches.

<P>Sogar die Inszenierungen, sonst vom Festival grob vernachlässigt, boten weniger Verschleierung, sondern Vermittlung - mit qualitativ unterschiedlichen Ergebnissen. Und mögen sich Johannes Maria Stauds Poe-Variation "Berenice", die exotische "Versuchung" von Qu Xiao-song und das skurrile "Cantio" von Vykintas Baltakas brav auf weitgehend bekanntem Terrain bewegen: Was den Zuhörer immerhin erreicht, kann so falsch nicht sein. </P><P>Doch mit den letzten beiden Uraufführungen, mit Mark André´s "22, 13" und "Shadowtime" von Brian Ferneyhough, erlitt die Biennale den Rückfall. Wort- und Klangmeldungen aus dem Elfenbeinturm, emotionsfreie und untheatralische Gespinste. Auf den großen Wurf muss der Biennale-Besucher also weiterhin warten. Und viele nicht verkaufte Tickets schon in den Erstaufführungen, achselzuckende Zuhörer nach Spielschluss, auch die viel zu zurückhaltende Werbung zeigen: Die Biennale bleibt ein hermetisch verschlossener Kokon, eine neutönige Spielwiese für Eingeweihte. </P><P>Natürlich wird ein Avantgarde-Festival nicht die Massen anziehen. Doch musica viva oder viele Konzerte des Kammerorchesters beweisen, dass in München eine Nachfrage nach Neuem besteht. Man muss nur das richtige Konzept und die richtigen Stoffe finden. Auch das sollte bedacht werden, wenn die Stadt andere Kulturinstitutionen schröpft, die Biennale aber hätschelt.<BR><BR></P>

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