Spielwitz und Boxershorts

- Seit fast einen Jahr wird der lange im Dornröschenschlaf gelegene Hubertussaal im so genannten Orangerietrakt von Schloss Nymphenburg wieder als Konzertsaal genutzt. Ein wunderbares Ambiente, in dem der musikalische Genuss allerdings häufig aufgrund der schlechten Akustik getrübt wurde. Eckhard Heinz, Veranstalter der seit diesem Jahr erstmals wieder stattfindenden Konzertreihe "Nymphenburger Sommer", reagierte auf die Kritik, indem er die fast 400 Stühle unter Verzicht auf 20 Plätze einfach umstellte.

<P>Weg von der beklemmenden Schlauchform, die für die Künstler eine Podiumshöhe von einem Meter nötig machte, hin zur U-Form mit einem mittig angelegen, 60 Zentimeter hohen Podium. Eine hervorragende Entscheidung, die ein völlig neues, lichtes Raumgefühl gibt, das eine angenehme Nähe zu den Künstlern schafft und dem Liederabend der amerikanischen Sopranistin Julie Kaufmann auch die notwendige Intimität bot. Mit Werken von Mozart, Schumann, Mahler, Mendelssohn Bartholdy, Wolf, Strauss, Menotti, Hoiby, Fauré´, Debussy, Liszt, Saint-Saëns, Pfitzner und Brahms entführte sie, am Flüge von ihrem Landsmann Donald Sulzen begleitet, in die Welt der Träume, Märchen und Magie. <BR><BR>Julie Kaufmann ist bekannt für ihren Spielwitz, und es fällt ihr in keinem Moment schwer, die Inhalte mimisch und dezent gestisch zu transportieren. Nuancenreich ist ihr klar geführter, geschmeidiger Sopran. Dass sie in der Höhe hin und wieder zu harten Spitzen neigt, verzeiht man ihr gerne, begeistert sie doch mit einer grandiosen Technik und enormem Wandlungsreichtum in der Artikulation. Donald Sulzen brillierte fernab einer distanzierten Klavierbegleiterfunktion mit Präzision und Gestaltungsfülle. Ein charmantes Miteinander, ein kongenial aufeinander abgestimmtes Duo. <BR><BR>Zu den Blumengaben aus dem Publikum überreichte ein Herr an Sulzen und Kaufmann je eine Feinripp-Boxershorts, worauf die sonst so schlagfertige Julie Kaufmann erwiderte: "Was ich darauf sagen soll, weiß ich noch nicht." <BR></P><P>Karten unter Tel. 089/ 54 81 81 81.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare