Spielzeug und Luxusgut

- "Wo bleibt der Mensch, der hier ungeahnte Schätze hübe!", fragt Christian Morgenstern 1906 an die Adresse von Max Reinhardt, nachdem er in München im Marionettentheater gewesen ist. Neun Jahre zuvor ist ein Freund Reinhardts, der 24-jährige Schriftsteller Paul Brann, aus Berlin nach München gereist. Während der eine in Berlin sein Illusionstheater leuchten lässt, baut sich der andere in München das passende Modell. Nur: Er findet den Menschen als Schwachpunkt im Jugendstil-ästhetischen Gesamtkunstwerk.

So ersetzt er ihn durch Puppen und macht sich selbst zum ersten europäischen Puppenregisseur.

Das Marionettentheater Münchner Künstler, welches Paul Brann 1906 gründete, war ein idealisiertes Spielzeug und ein avantgardistisches Luxusgut. Der wohlhabende Brann blieb seinen schriftstellerischen Wurzeln treu und schuf sein Repertoire aus neuen Stücken, etwa von Arthur Schnitzler, vor allem aber aus dem Kabarett. Und es gelang ihm, bedeutsame Mitarbeiter zu gewinnen, unter ihnen Josef Wackerle, Ignatius Taschner, Julius Diez und auch der Bühnen- und Kostümbildner Max Reinhardts, Ernst Stern. Als Puppenspieler wurden Laien engagiert, dazu professionelle Sänger und Sprecher.

"Marionetten & Co.", die Schau im Puppentheatermuseum im Münchner Stadtmuseum, zeigt nun eine feine Auswahl aus den (eigenen) großen Beständen des Brann'schen Marionettentheaters. Bevor Brann vor den Nazis nach Oxford flüchtete, brachte er all sein Hab und Gut in Sicherheit. In den 1960er- bis 80er-Jahren konnte es zurückgekauft werden. Darunter befinden sich nicht nur Puppen, Bühnenbilder oder Vorhangentwürfe, sondern auch Werbematerialien: Plakate, Briefmarken, Karten, Textbücher.

Er war schon ein cleverer Theaterleiter, zumindest bis 1918, danach verlor Brann sein Vermögen und musste nun nicht nur für die Kunst, sondern auch für sich selbst arbeiten. Er ließ die Einrichtungen seiner 22 Inszenierungen kopieren und tourte mit bis zu drei Ensembles gleichzeitig durch ganz Europa. Trotz des Erfolges, Branns Schicksal war seine Zeit: Jeder besuchte sein Theater, es war ein Erholungsort, doch es hielt sich fast immer unpolitisch heraus. Er war bekannt, doch wurde nicht berühmt. Und heute braucht es eine Ausstellung, um an den Revolutionär des Marionetten-Regietheaters zu erinnern.

Bis 9. September. Di-So 10-18 Uhr.

Tel. 089/ 23 32 23 70, www.stadtmuseum-online.de.

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