Das ist ein Sport

- Leise Musik dringt durch die Tür des Übungsraums nach draußen. Soll man wirklich die wichtige Probenarbeit unterbrechen? "Die Musiker sollten möglichst wenig gestört werden", hatte Frank Selzle, einer der Teilnehmerbetreuer, erläutert. Für Gespräche stünden außerdem nur Kandidaten zur Verfügung, die die erste Runde bereits bewältigt hätten. Vorsichtiges Klopfen gegen die Tür bringt nicht die erhoffte Reaktion. Zweiter Versuch. Wieder nichts. Öffnet man dann langsam die Tür, tut sich vor einem eine zweite Tür auf: Schalldämpfung.

<P>Die Atmosphäre in der Münchner Musikhochschule ist bedächtig und verhalten. Immerhin finden hier die Kontrabass-Ausscheidungen des diesjährigen ARD-Musikwettbewerbs statt. Lediglich zwischen den Auftritten beleben die Zuhörer für kurze Zeit das Foyer, danach herrscht wieder konzentrierte Ruhe. Das Renommee der Veranstaltung ist hoch, es gibt nicht nur Preisgelder, sondern auch Ruhm zu gewinnen.</P><P>Endlich doch im Proberaum. Überraschenderweise fühlt sich Nir Comforty überhaupt nicht gestört, obwohl er gerade für die zweite Runde übt. Comforty ist ein gelassener, junger Mann. Seit zwei Jahren studiert er Kontrabass in Deutschland, er kommt aus Israel. "Alle Teilnehmer der zweiten Runde studieren in Deutschland." Der Bekanntheitsgrad sei einfach wichtig, um erfolgreich zu sein. Seit 15 Jahren spielt er schon sein Traum-Instrument. Trotzdem sei er ohne Erwartungen zum Wettbewerb gekommen. "Für mich ist das eher Sport." Eine einmalige Gelegenheit biete die Veranstaltung aber allemal. "Schon allein das hohe Niveau ist beeindruckend, ich kann viel zuhören und viel lernen."</P><P>Gute Chancen auf<BR>eine Stelle im Orchester</P><P>Dominik Greger und Yun Sun sind mit Klavierbegleiter und Lehrer angereist. Beide studieren zusammen in Weimar und haben sich ein Jahr lang auf ihre Auftritte vor der Jury vorbereitet. Hochprofessionell wirkt dieses Team. "Schon allein durch die intensive Probenarbeit hat sich der Wettbewerb gelohnt", findet Greger. Doch er hat auch Kritik anzubringen. "Es gibt generell zu wenig Wettbewerbe für Bassisten." Ausgerechnet in diesem Jahr fänden drei gleichzeitig statt. "Neben dem Münchner gibt es noch den Bottesini-Kontest in Italien und eine Bass-Konkurrenz im tschechischen Brünn." Und die Kategorie Kontrabass komme beim ARD-Wettbewerb zu selten an die Reihe. So hätten viele Musiker nur eine einzige Chance dabei zu sein. "Beim nächsten Mal sind sie dann schon zu alt."</P><P>Die Teilnahme am ARD-Wettbewerb lohnt sich, obwohl ein nicht zu verachtender finanzieller Aufwand die Musiker belastet. Neben Anreise und einem Hotel während der ersten Runde kommen für manche Kandidaten noch Privatstunden und die Ausgaben für den eigenen Klavierbegleiter hinzu. Hat man es in die zweite Runde geschafft, werden immerhin die Übernachtungen gestellt. Die große Karriere ist als Bassist nicht zu machen. Zu unbekannt ist, dass Kontrabass auch als Soloinstrument fungieren kann. So planen die meisten Musiker ihre Zukunft in einem Orchester. Dort allerdings stehen die Chancen gut, eine Stelle zu bekommen, da Mangel an Bassisten herrscht.</P><P>Kontrabass scheint ein Instrument für Menschen zu sein, die das Außenseitertum nicht scheuen. "Dafür klappt bei den Bassisten die Verständigung und der Zusammenhalt untereinander noch am besten", glaubt Greger. Außer beim Wettbewerb, da sei dieses Gesetz aufgehoben.</P><P>Semifinale Kontrabass mit dem Münchener Kammerorchester, heute ,19 Uhr, Prinzregententheater; Karten: MünchenTicket, Tel. 089/ 54 81 81 81.</P><P>Der übrige Wettbewerb heute: Klarinette 10/16 Uhr, Musikhochschule; Trompete 10/16 Uhr, MH; Gesang 11/16 Uhr, BR; Eintritt frei.<BR><BR></P>

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