Sport, Spiel und Wein

- Stolz thront die Staatliche Antikensammlung auf grandiosem Treppensockel. Das in den 60er-Jahren von Johann Ludwig innen ohne Rücksicht auf die alte Substanz umgebaute Münchner Museum beherbergt neben Schmuck und Kleinbronzen wunderbare Vasen.

<P>Damals wurde Asbest verwendet, das nach aktuellem Bau-Standard entfernt werden muss. Drei Jahre zog sich die Schließzeit hin, da weitere Schäden (unter anderem die durchgerostete Bodenheizung) entdeckt wurden. Wenn am Donnerstagabend das Museum mit seiner Dauerschau und der Sonderausstellung "Herakles - Herkules" wiedereröffnet wird, dann nur als Provisorium. Eine richtige Rundum-Renovierung steht noch aus - und ist dringend geboten. </P><P>Immerhin ist jetzt mit den düsteren Tuffstein-Platten (an den Wänden) der bedrückende Gruft-Charakter der Säle verschwunden. Der Ziebland-Bau, gegenüber der Glyptothek, gehört zum Altertums-Reich von Raimund Wünsche. Er versucht, trotz widriger Umstände dieses Museums-Juwel zum Funkeln zu bringen. (Ab Freitag täglich außer montags 10-17 Uhr, Mi. 10-20 Uhr.)<BR><BR>Sie haben die Renovierung genutzt, um Änderungen einzuführen.<BR><BR>Wünsche : Wir haben eine radikale Umkomposition vorgenommen, damit wir den Objekten gerechter werden. Die völlig neue Konzeption will die Stücke zelebrieren. Der Rundgang beginnt mit der Frühzeit. Didaktisch kombinieren wir mykenische (mit Figuren, Anm. d. R.) und geometrische Gefäße; der Betrachter kann nachvollziehen, wie die Gestaltung variiert, wie das Figürliche wieder auftaucht. In den Vitrinen mischen wir Keramik, Bronzen, ja Münzen. Die attische Vasenmalerei wird mit Themen wie Sport, Dionysos und Wein oder Krieg repräsentiert. Die Gipsabgüsse von berühmten Statuen unterstreichen die Zeitgleichheit. Klein- und Großkunst soll in Beziehung gesetzt werden. Das ist bildhafter.<BR><BR>Die Antikensammlung wirkt neben der Glyptothek mit ihren Skulpturen wie die benachteiligte Stiefschwester. Wird sie jetzt attraktiver? <BR><BR>Wünsche : Sie soll gleichwertig mit der Glyptothek sein. Man wird hereinkommen und sagen, die Vasen schauen toll aus. Im internationalen Vergleich ist der Rang der Sammlung weit höher als der der Glyptothek. Der Bestand an Vasen ist nur mit dem des Louvre zu vergleichen - vielleicht noch mit Berlin. Vasen haben jedoch den Nachteil: Sie sind Kleinkunst, sind schwerer vermittelbar - und der Betrachter muss gebildet sein. Die feinteiligen Vasen erfordern längeres Hinschauen, mit einem schnellen Blick ist da nichts erfasst. Deswegen planen wir die Spezialkataloge, Führungen werden angeboten: Wir werden die Antikensammlung sehr beleben. Schließlich besitzen wir am Königsplatz mit diesem Forum der Antike eine Einzigartigkeit.<BR><BR>Wie lässt sich das Problem lösen, die Vasenmalereien für den Betrachter spannender darzustellen?<BR><BR>Wünsche : Ich habe Stücke ausgesucht, die Attraktion ausstrahlen. Die Grundgedanken waren Reduktion, also nicht zu viel präsentieren, und Stimmung. Die Vasen sind warm, rot, also muss der Hintergrund kühl sein. Der Kontrast steigert die Wirkung. Das gilt auch für den Schmuck und die Bronzen, die befinden sich quasi in einer Schatzkammer. Die Beschriftung erzählt den jeweiligen Mythos. Wer weiß denn heute noch über die Geschichten Bescheid. Der Mythos ist doch tot. Das muss abgefangen werden.<BR><BR>Es gibt nun feste Räume für Wechselausstellungen. Das bedeutet, Sie brauchen mehr Geld. <BR><BR>Wünsche : Wir haben alles aus eigenen Kräften erarbeitet. Es gab keine Sondermittel. Auch das Design stammt von uns. Das ist eine Geldfrage, außerdem will ich keinen Schnickschnack. Nichts soll von den Exponaten ablenken. Ich möchte dem Objekt dienen. Wichtig ist, die Werke neu zusammenzustellen und wirken zu lassen. <BR><BR>Wie sieht das Programm aus?<BR><BR>Wünsche : Es gibt jedes Jahr eine Sonderausstellung aus unseren Beständen. Zwei Räume stehen dafür zur Verfügung. Die nächste Präsentation wird sich passend zu den Olympischen Spielen mit Sport beschäftigen. Danach folgen die Sagen um Troja. Beim Thema Olympia will ich mit dem Getue um die Amateure aufräumen. Die gab's schon damals nicht. Auch diese Überathleten wurden als ungesund kritisiert.<BR><BR>Sie haben sich zum Auftakt den stärksten Helden der Antike zur Hilfe geholt - Herakles. Mögen Sie ihn besonders?<BR><BR>Wünsche : Mit ihm verbindet sich der wohl heute noch bekannteste Mythos: Es gibt die Sandalenfilme; ein Rad heißt Herkules - und die Bild-Zeitung nannte Otto Rehhagel nach einem Sieg "Rehrakles".<BR><BR>Das Gespräch führte Simone Dattenberger<BR></P>

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