Sportfreunde Stiller bieten Glückshormone

München - Vor dem Sommermärchen waren die Sportfreunde Stiller. Noch bevor die Euphorie in nie gekanntem Ausmaß über Deutschlands Straßen brach, schuf das Trio das Herzstück für die vierwöchige Fußball-Party: Mit "54, 74, 90, 2006" tanzten die Menschen mit der Nationalelf ins WM-Halbfinale, und die Sportfreunde flogen in ungekannte Popularitätsgefilde.

Einen Sommer später haben wir den profanen Alltag immer noch: Wir vermissen die WM, aber wenigstens müssen wir die Sportfreunde nicht mehr entbehren.

Die haben ihr fünftes Album veröffentlicht. Auf "La Bum" befindet sich der Fußball in Abseitsstellung. Keine WM mehr. Doch durch viele der elf neuen Songs schwebt die Erinnerung an das Große im Leben, das sich dem Bewahren entzogen hat. Schon im ersten Lied beschreibt Sänger Peter Brugger die Orientierungslosigkeit am Ende eines bedeutenden Lebensabschnitts. "Was kommt dann? Wie lautet der Titel vom nächsten Kapitel?", fragt sich Brugger immer wieder und findet keine Antwort. Stattdessen geht der Blick in "995er Tief über Island" sehnsuchtstrunken zurück zu den Stunden des Glücks: "Es war schön und zwar sehr, ich will wieder zurück ans Meer."

Brugger ist also kein Sprachakrobat wie die "Wir sind Helden"-Sängerin Judith Holofernes, die Worte in einer neuen Konstellation andere Bedeutungen entlocken kann. Der Sportfreund muss auf einfache Wortspiele wie "Doktrin ist keine Medizinerin" zurückgreifen. Die drei Münchner sind auch keine Intellektuellen wie Tocotronic, die dem Hörer Visionen schenken. Aber sie haben Idealismus. Der besteht darin, trotz allen Erfolgs normal geblieben zu sein.

Darin liegt auch die enorme Wirkkraft ihrer Musik. Die Inhalte der Sportfreunde sind oft simpel und profan, aber sie sind authentisch. Die Gefühle, von denen Brugger singt, scheinen direkt aus dem Bauch zu kommen und landen ohne Umschweife im Herzen der Hörer: manifester Trennungsschmerz, latente Sehnsucht und vor allem die immer wieder besungene Euphorie über das kleine Glück. Jeder hat sie erfahren.

Wie immer hüllen die Sportfreunde diese Texte in ein musikalisches Gewand, das nicht aus Noten allein gemacht zu sein scheint: Ihre Songs sind gedopt mit Glückshormonen. Und genau die werden auch beim Hören reichlich ausgeschüttet. So ist ihr neues Album wieder kein Meisterwerk, das zum Niederknien zwingt, dafür aber ein musikalischer Gefährte, der sich gerne umarmen lässt. "La Bum" ist ein Sieg für die Sportfreunde und ein Gewinn für Punkpop-Fans.

"La Bum",

Sportfreunde Stiller

(Universal).

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