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Sprache als Konfektionsware

- Mit ihrem poetisch-assoziativen, selbstironischen Debütroman "Edmond: Geschichte einer Sehnsucht" ist Dagmar Leupold vor zehn Jahren bekannt geworden. Nach mehreren Romanen und Gedichtbänden hat die bei München lebende Schriftstellerin jetzt ihr neues Buch "Eden Plaza" veröffentlicht, in der das Scheitern einer Ehe und das Gelingen einer neuen Beziehung im Mittelpunkt stehen.

<P>Der Ton Ihrer Ich-Erzählerin ist fast ohne Bedauern. Bedeutet das Ende der Liebe Glück oder Unglück für Ihre Figuren?<BR>Leupold: Das Ende der Liebe ist wahrscheinlich immer ein Unglück. Aber es reizt mich auch herauszufinden, inwiefern Liebe so etwas wie ein utopischer Lebensentwurf ist und wie er im Alltag bestehen kann. Liebe in einem rosaroten Sinn interessiert mich nicht.<BR><BR>Obwohl das Scheitern einer Ehe in diesem Buch zentral ist, scheint tatsächlich nichts Schlimmes zu passieren. <BR>Leupold: Es ist ja nichts Dramatisches, was passiert, sondern eher ein Korrosionsprozess. Es bröckelt, bröselt, hält nicht. Das kennzeichnet unseren Alltag, dieses Schleichende, Allmähliche.<BR><BR>Wie lebensnah darf oder muss ein Roman sein?<BR>Leupold: Was mich betrifft, hat Schreiben immer mit einer radikalen Selbstbefragung zu tun. Das heißt natürlich nicht, dass man seine Erfahrungen linear übersetzt, und die werden das Buch. Das ist ein Vorgang wie ein Stoffwechsel. Man stellt Eigenes wie ein Enzym zur Verfügung. Das setzt einen Prozess in Gang, und von außen kommt noch etwas hinzu.<BR><BR>In "Edmond" und "Eden Plaza" werden der Mann, der sich der Sprache verweigert, und die Ich-Erzählerin, die nahezu abhängig von der Sprache ist, stark miteinander kontrastiert.<BR>Leupold: Wenn ich mich so umschaue, ist es doch bei allen Paaren schlicht so: Frauen reden mehr. Und Frauen haben den Anspruch nicht aufgegeben, über Reden etwas mehr zu verstehen. Das ist nicht eine anthropologische Konstante, sondern eine soziale.<BR><BR>Ihr Buch hat einen sehr strengen Aufbau.<BR>Leupold: Die Struktur ist eine Anleihe an "1001 Nacht". Eine Anlehnung an das Erzählen als eine Form der Selbstfindung. Wenn es eine ideale Form der Verständigung gibt, dann die: Jeder gewinnt mit dem, was er erzählt, sich selbst und den anderen. Das Buch sollte symmetrisch und etwa so lang wie eine Novelle sein, dazu in der Mitte einen Höhepunkt haben.<BR><BR>Sie sagten einmal, dass Literatur Sprache aufbrechen kann.<BR>Leupold: Literatur kann aus dieser Konfektion erlösen. Es gibt nicht nur Klamotten von der Stange, es gibt auch Sprache von der Stange. Literatur kann dieses Material vitalisieren. Für mich ist ein gelungener Leseakt, und das gilt auch fürs Schreiben, wenn ich das Gefühl habe, meine Wahrnehmung ist ein kleines bisschen verschoben worden. Du siehst dasselbe, aber nimmst etwas Neues wahr.</P><P>Das Gespräch führte Yvonne Poppek</P><P>Dagmar Leupold: "Eden Plaza", C.H.Beck Verlag, München. 176 Seiten, 17,90 Euro. Dagmar Leupold liest heute um 20 Uhr im Münchner Literaturhaus.</P>

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