Ein sprachlicher Waffengang

- Was ein gewitzter Boulevardier ist, der kennt seine Hollywoodfilme, seinen Shakespeare natürlich auch: Stevie Mills, die spröde Karrierefrau in "Heirat wider Willen" von US-Autor Lawrence Roman, hat gewisse Ähnlichkeiten mit der tüchtigen Doris Day (richtig: die aus "Bettgeflüster"). Und Shakespeares widerspenstige Katharina steckt auch noch mit drin. Gezähmt wird Stevie ausgerechnet von einem Heiratsvermittler. Und wenn Herbert Herrmann und Nora von Collande sich ihre hitzigen Wortgefechte liefern, ist was los in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof.

Drahtzieherin dieser Eheanbahnung ist die unternehmungslustige Mama Mills. Sie will vor allem noch einen Enkel. Pech für Stevie, dass der erste vermittelte Anwärter (trocken humorig: Uli Kinalzik) sich in die Mama verguckt, die Hannelore Cremer mit ladylikem Spätlese-Charme ins cremefarbene Wohnzimmer weht. Inzwischen hat Heiratsvermittler Robin selbst Feuer gefangen und schickt absichtlich einen Negativ-Kandidaten. Dieses Ekelpaket (gekonnt stilisiert bis ins Zähneblecken von Uwe Neumann), in der Mitbringsel-Tüte ein Porno-Video, will gleich zur Sache und wird, bereits runtergestrippt aufs Leoparden-Dessous, von Stevie vor die Tür gesetzt. So einen Moment satter Situationskomik hat sich Regisseur und Übersetzer Wolfgang Spier hier gestattet. Was ihn aber wirklich interessiert, ist der sprachliche Waffengang zweier Kampftypen. Fetzig gleich der Anfang, wenn Nora von Collande, im Mundwinkel noch die jüngferlich-arrogante Verkniffenheit der arrivierten Großunternehmerin, ihre Partner-Wunschvorstellungen diktiert, und Herbert Herrmann in einem Verschnitt aus "Zähmungs"-Petrucchio und flottem Rock Hudson alles brav notiert.

Dieser Robin lässt Stevies Verklemmt- und Zickigkeiten an seiner totalen Entspanntheit, einer fast schnodderigen Harald-Schmidt-Attitüde auflaufen. Das schafft Distanz zur Rolle, aber mindert auch ein bisschen die erotische Prickelspannung. Wie es mit einer sexy aufblühenden Stevie dann doch zum Bettgeflüster hinterm Kanapee kommt, ist auf jeden Fall sehenswert.

Sehenswert sind Margit Bönischs Produktionen immer. Vielleicht erkennt das auch Premieren-Gast Hans-Georg Küppers, der erste Münchner Kulturreferent, der Interesse für dieses traditionsreiche Theater zeigt. Prinzipalin Bönisch hätte, nach jahrelang erbrachtem Qualitätsbeweis, eine städtische Subvention verdient. Dann könnte sie auch mal "einen Peter Hall oder einen Sönke Wortmann" an ihr Haus holen, also ihre zu Beginn hoch- und dann mangels Unterstützung zurückgesteckten Ziele verwirklichen.

Bis 10. November, Karten unter 089/29 16 16 33.

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