Buster Keaton nebst Rindvieh: Der Film „Go West“ läuft am 28. Januar ab 18.30 Uhr im Münchner Filmmuseum.

Sprachlos, aber quicklebendig

München - Auch im Münchner Filmmuseum erfreuen sich Stummfilme großer Beliebtheit: Bis 25. Februar läuft die Retrospektive über Buster Keaton.

Der Erfolg des Stummfilms „The Artist“ sollte auch am Münchner Filmmuseum nicht spurlos vorübergehen. Cineasten wissen längst, dass man in der Innenstadt am St.-Jakobsplatz regelmäßig Klassiker des Stummfilms sehen kann. „Wir hoffen, dass ,The Artist‘ nun gerade dem jungen Publikum einen kleinen Schubs gibt“, sagt Christoph Michel, einer der Programmverantwortlichen im Filmmuseum.

Schon jetzt zeigt sich der Stummfilm höchst lebendig. Noch bis zum 25. Februar beitet das Filmmuseum eine Reihe über den legendären Komiker Buster Keaton. Am ersten Wochenende der Retrospektive seien die Filme im 165 Zuschauer fassenden Saal restlos ausverkauft gewesen, sagt Michel. „Wir zeigen die englischsprachigen Originale ohne Untertitel – und trotzdem kommen viele Kinder.“

Für Michel liegt der Charme der alten Streifen auf der Hand: „Der Stummfilm erzählt sich visuell, er geht nicht den bequemen Weg über die Worte.“ Jede Vorführung könne zudem verschieden sein – abhängig davon, ob und auf welchen Instrumenten ein Musiker das Geschehen begleite. „Außerdem wird die Atmosphäre intensiver, je voller der Saal ist – das ist bei Tonfilmen nicht unbedingt so.“

Das 1963 als Abteilung des Stadtmuseums gegründete Haus ist die älteste öffentliche Einrichtung ihrer Art, die täglich Filme aus Archiven, Arthauskino und Retrospektiven vorführt. Zehn Angestellte arbeiten hier – zur Hälfte nur in Teilzeit –, um die Filmgeschichte zu bewahren. Etwa 5000 Filme lagern im Archiv des Museums – rund ein Drittel davon Stummfilme. Damit gehört es zu den eher kleinen Archiven in Deutschland.

Doch die Münchner horten nicht nur – sie retten die Filme auch und machen sie erst wieder sichtbar: Am 12. Februar zeigt die Berlinale bei einem Festakt den Film „Der Totentanz“. Der war die erste Produktion, die in den Studios Babelsberg gedreht wurde, im Februar 1912 unter der Regie von Urban Gad mit dem damaligen Superstar Asta Nielsen in der Hauptrolle. Restauriert wurde er ihn München.

„Das Wiederherstellen alter Filme ist wie ein Puzzle“, sagt Stefan Drößler, Leiter des Filmmuseums. Denn oft ist es Zufall, wo sich die meisten Filmrollen erhalten haben. Für Aufsehen sorgte vor kurzem Fritz Langs „Metropolis“. Die Fachwelt hatte sich längst damit abgefunden, dass die ursprüngliche Fassung des Klassikers unrettbar verloren war – bis vor ein paar Jahren eine Kopie in Buenos Aires auftauchte, die den (zuvor in München restaurierten) Film um eine halbe Stunde länger machte. Eine Sensation.

Beim „Totentanz“ ist noch weniger überliefert: „Das Fragment, das wir hatten, sind nur 45 Prozent des ursprünglichen Films – noch dazu mit russischen Titeln“, berichtet Drößler. Durch einen Zufall habe man aber Urban Gads Drehbuch gefunden – und dann auch noch ein Fotoalbum, das Aufnahmen genau der Szenen enthielt, die verschollen sind. Nun könne man in Berlin eine 35-minütige Fassung des ursprünglich knapp einstündigen Films zeigen. „Wir versuchen, aus einem Scherbenhaufen die Form der ursprünglichen Vase zu rekonstruieren.“ Dafür gibt die Stadt dem Museum im Jahr 50 000 Euro. „Wir sind nicht so gut ausgestattet, dass wir alles restaurieren könnten, was wir wollen“, sagt Drößler. Die Begeisterung für „The Artist“ stimmt ihn auch nachdenklich: „Das Kino beschäftigt sich mit seiner Geschichte in dem Maße, in dem sich seine Individualität in den Multiplex-Palästen verflüchtigt.“ Natürlich freut ihn, dass die Besucherzahlen seines Kinos stabil sind. „Aber wir sind leider auch konkurrenzlos. Keiner außer uns würde mehr einen Buster-Keaton-Film zeigen.“

Johannes Löhr

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