Sprachsprühendes Lamento einer Frau

- Ruedi Häusermanns Auftritte bei festspiel + haben schon Tradition. Seit Jahren taucht der Schweizer Regisseur und Musiker im alternativen Begleitprogramm der Münchner Opernfestspiele auf und nimmt das Publikum mit auf seine poetisch-musikalischen, dadaistisch angehauchten Reisen. Diesmal erschien er jedoch nicht in eigener Sache und höchst persönlich, also mit selbst gebautem "Nicht"-Stück und am abstrusen Instrumentarium sitzend, sondern als Regisseur von Elfriede Jelineks Prinzessinnendrama III, "Der Tod und das Mädchen: Rosamunde".

<P>Im Neuen Haus der Münchner Kammerspiele hockte die Fan-Gemeinde, begierig, sich auf die schweizerische Langsamkeit, die schrägen Querdenkereien, den skurrilen Witz, die bizarren Absurditäten, also den ganz normalen Wahnsinn des Ruedi Häusermann und seiner Kumpane einzulassen.</P><P>Doch ganz so komisch, wie man sich's erhofft hatte, wurde es diesmal nicht. Da war die Jelinek vor. Ihr Text ist - in Häusermanns für das Schauspiel Hannover entstandener Inszenierung - das sprachsprühende "Lamento" einer Frau, Rosamunde. Oder doch Elfriede? Helmina von Chezys romantisches Schauspiel "Rosamunde, Fürstin von Zypern", Initialzündung für die Jelinek, ist längst vergessen. Schuberts Musik dazu jedoch nicht. Er liefert mit seinem Lied und seinem gleichnamigen Streichquartett auch den Übertitel zu den fünf Prizessinnen-Dramoletten: "Der Tod und das Mädchen".<BR><BR>Für Ruedi Häusermann Wink genug, Jelineks Wort-Musik als Monolog - denn auch der Mann Fulvio ist hier nur imaginiert und spricht durch Rosamunde - mit wirklicher Musik zu verbinden: Mit Spuren vom originalen Schubert, Partikeln, die sich nie zum Ganzen fügen. Kein Durchbruch, keine Erlösung. Schmerzlich. Monika Camenzind, Christian Strässle, Daniel Thomas, Martin Birnstiel und dem Schlagzeuger Martin Hägler - an drei rostigen Tonnen, Donnerblech und Xylophon - liefern streichend, singend, klopfend eine changierende Klangmischung. Rosamunde fängt sie mit zwei Recordern ein, spielt sie ab - und die Musiker knicksen zur Konserve.<BR><BR>Furiose Wort-Kaskaden</P><P>Zunächst lässt Häusermann sie schlurfend und sich immer wieder neu formierend, den leeren, schwarzen Bühnenraum durchwandern. Von der Decke baumeln Mikrofone. Trotzdem bleibt Rosamundes Text anfangs unverständlich. Gebetsmühlenartig sondert Isabelle Menke ihn ab, lässt dann die Kaskade ohne Unterbrechung sprühen. Jelineks furiose Klage ist getragen von spielerischer Leichtigkeit, von verrückten gedanklichen Verknüpfungen und absurden Sprüngen.<BR><BR>All das täuscht in seiner Virtuosität fast darüber hinweg, dass der Text eine verzweifelte, sehr persönliche Abrechnung der Jelinek ist: mit ihrem Frausein, Dichterinsein, Opfersein - Prinzessinsein. Die junge Isabelle Menke fasziniert als zarte, sehr präsente und nur durch die Sprache agierende Rosamunde. Deren letzte, wiederholte Worte "Meine Stimme!" quillen aus den Recordern, die mit einem Knacks verstummen.</P>

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