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Christian Springer alias "Fonsi".

Ungewöhnliche Mission

Tod eines Nazis gibt "Fonsi" Rätsel auf

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München - Ein NS-Kriegsverbrecher stirbt - und ein bayerischer Kabarettist ist in heller Aufregung: Hat sich Christian Springer alias Fonsi doch vorgenommen, das Rätsel um Alois Brunner ganz zu lösen.

Die Nachricht vom Tod eines NS-Kriegsverbrecher - was geht das einen bayerischen Kabarettisten an? Und doch horchte Christian Springer („Fonsi“) auf, als er am Montag die Meldung vom Tod Alois Brunners las. „Es ist einerseits lächerlich, andererseits macht es mich auch wütend – wütend, dass niemand die Geschichte ganz aufklären kann“, sagt Springer dem "Münchner Merkur" (Mittwochsausgabe).

Die Geschichte ist die: Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat den Österreicher Alois Brunner von der Liste der meistgesuchten deutschen NS-Kriegsverbrecher gestrichen. Brunner, den Gehilfen Adolf Eichmanns, ein eiskalter Judenjäger, der für die Ermordung von bis zu 130.000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein soll. Zuletzt, in den 1980er Jahren, war Brunner in Syrien lebend gesehen worden – und hier schließt sich der Kreis zum Kabarettisten. Springer, der mit seinem Verein Orienthilfe unentwegt Spenden für Kriegsopfer in Syrien sammelt, war auch eine Art privater Nazi-Jäger. Jahrelang, schon als Student, machte er sich in Damaskus heimlich auf die Suche nach Brunner, den Judenmörder. Seine Geschichte hat er vor zwei Jahren in seinem Buch „Nazi, komm raus!“ aufgeschrieben.

Und jetzt soll Brunner sozusagen amtlich beglaubigt tot sein? Bereits vor vier Jahren habe man von einem deutschen Geheimdienstmitarbeiter die Information erhalten, Brunner sei in Damaskus gestorben und begraben, sagte der Leiter des Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, in Jerusalem.

Springer zweifelt nicht daran, dass Brunner längst tot ist – er ist Jahrgang 1912, wäre also heute 102. Doch es bleiben Fragen, sagt Springer. Da ist einmal eine Akte des Bundesnachrichtendienstes über Brunner, die aber in den 1990er Jahren geschreddert worden ist. Was stand da drin, fragt sich Springer. Er wundere sich auch, warum da im Bundestag niemand nachbohre. „Da muss politisch Druck ausgeübt werden.“ Zum zweiten: Wie seriös ist die Information, die das Wiesenthal-Zentrum lanciert hat? Offiziell bestätigt werden kann sie aufgrund der Kriegslage in Syrien nicht. Die österreichische Justiz wird die Fahndung deshalb nicht einstellen. Und Springer sagt: „Ich werde da nachbohren.“ Die Nachricht einer Bestattung in Damaskus lässt ihn mutmaßen. Brunner sei sicher nicht unter seinem wirklichen Namen beerdigt worden worden. „Ich vermute ein namenloses Grab – oder einen arabischen Allerweltnamen.“

Dirk Walter

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