Spritziger Dialog

- Es hat sich doch für die Akademie der Bildenden Künste München gelohnt, dass Rektor Ben Willikens den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber per Ehrensenator-Titel "eingebettet" hat. Jetzt endlich, elf Jahre nach der Wettbewerbs-Entscheidung zu Gunsten des Wiener Architektenteams Coop Himmelb(l)au und sechs Jahre nach der Genehmigungsplanung, wurde der Grundstein des Erweiterungsbaus für das viel zu eng gewordene Neureuther-Gebäude gelegt. Ein bronzenes Modell der "alten" Akademie mit der Inschrift "Das Alte im Neuen Das Neue neben dem Alten" wurde am Freitagmittag von Stoiber, Kunstminister Hans Zehetmair, Ben Willikens, Herzog Franz von Bayern (Kunstakademie-Stiftung) und dem Architekt Wolf D. Prix, der Compagnon Helmut Swiczinsky + Partner vertrat, ins Fundament gemauert. Tradition nicht verleugnen, aber dem Zukünftigen wach entgegensehen, das mag diese Geste symbolisieren.

<P>Knapp 20 Millionen Euro soll das neue, fröhlich dekonstruktivistische Haus (mittlerweile ist der Entwurf gar nicht mehr so top-avantgardistisch) unmittelbar neben dem wunderschönen, repräsentativen Werk von Gottfried von Neureuther aus dem Jahr 1885 (Gesamtsanierung bis 2008: 60 Millionen Euro) kosten. Einziehen werden die Studenten 2005, denen dann 4713 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen werden. Prix unterstrich das Konzept der "vernetzten Räume", die auch Freiräume seien. Wo einst Nachkriegs-Baracken (Ecke Türken-, Akademiestraße) sich ins Gebüsch kuschelten, wird also ein aufmüpfiger ästhetischer Partner entstehen, der in einen spannungsgeladenen Dialog mit dem Historismus des 19. Jahrhunderts tritt.<BR><BR>Dimension Kunst trotz schwieriger Zeit</P><P>Stoiber bekannte sich denn in seiner Ansprache nicht nur dazu, dem "Kulturstaat Bayern die Reverenz zu erweisen", sondern auch zur Moderne in der Kunst. Neben diversen Danksagungen und dem obligaten Selbstlob galt die besondere Anerkennung des Ministerpräsidenten dem scheidenden Hans Zehetmair, dessen "Hingabe" an die Sache Stoiber mit Wärme und Witz herausstrich. Warum lässt er dann diesen Kunstminister - wohl den besten, den das demokratische Bayern bisher hatte - gehen, mögen sich da viele Zuhörer gefragt haben. </P><P>Zehetmair seinerseits freute sich, dass er bei all seinen Vorhaben vom Neuen Museum Nürnberg bis zur Pinakothek der Moderne und eben auch beim Akademie-Erweiterungsbau auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen konnte. Energisch seine Mahnung dann, auch in schwierigen Zeiten nicht die Dimension Kunst aus den Augen zu verlieren.</P>

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