Da spuckt mal keiner

- Zwei Ks fallen einem ein, wenn man Anita Kupsch begegnet: klein und kess. So betritt sie kurz vor der Premiere ihrer Solo-Komödie "Männer und andere Irrtümer" (Autorinnen: Michè`le Bernier und Marie-Pascale Osterrieth) die Komödie im Bayerischen Hof in München. Obwohl: Betreten ist eigentlich ein zu leises Wort, um ihren Auftritt zu beschreiben.

Vielmehr wirbelt die einstige Serien-Sprechstundenhilfe aus "Praxis Bülowbogen" herein mit ihrer Berliner Schnauze, die jeden duzt, der ihr in den Weg kommt, dazu blonder Pagenkopf und Jeans mit Paillettenbesatz.

"Ist das eine Hitze", stöhnt sie. Völlig erledigt sei sie vom vielen Proben in unklimatisierten Räumen. Der Eindruck, den sie erweckt, während sie in der Theaterbar unruhig herumtigert, spricht allerdings eher für Powerfrau im Kleinformat. Ab heute Abend kann sie ihre Energie am Theaterpublikum auslassen. Zwei Stunden wird Kupsch dann allein auf der Bühne stehen, in 25 verschiedene Rollen schlüpfen, um das Drama rund um eine betrogene Ehefrau darzustellen - ein Knochenjob. "Am Ende bin ich jedesmal fertig", gesteht sie. Bereut hat sie die Übernahme der Solorolle - die sie bereits mit großem Erfolg unter anderem in Berlin und Bonn verkörperte - noch nie. "An einem Ein-Personenstück reizt mich, dass mich der Partner nicht anspucken kann."

Nicht einmal eine Souffleuse als Notanker sitzt unter den Theaterplanken. Bewusste Einfachheit, die reizte sie. "Kein Schickimicki", will sie um sich haben. "Das Bühnenbild ist einfach, ich habe nur ein Kostüm, und einen Vorhang gibt es auch nicht. Ich bin Schauspielerin und keine Selbstdarstellerin." Statt großem Brimborium sucht sie den Kontakt zum Publikum, fällt aus der Rolle und reicht einem Zuschauer, der sich vor Lachen verschluckt hat, gerne auch mal ihr Wasserglas hinunter. "Ich will eine von ihnen sein. Und wenn ich mal hängen bleibe, dann bleibe ich halt hängen." Lampenfieber lehnt sie ab. "Es ist ein Wiedererkennungs-Stück. Jeder kennt so eine Situation selbst oder hat eine Freundin, die sie erlebt hat", so Kupsch. "Einmal sagte eine Frau nach dem Stück zu mir:,Ich war gar nicht im Theater, ich war auf der Couch’."

Eines möchte sie jedoch klar stellen: "Ich spiele hier nicht mein Leben. Es ist nur ein Stück." Nicht, dass wieder Zuschauer im Saal Tränen um das Schicksal der Anita Kupsch vergießen. Wie die alte Dame in Bonn, die ihr nach der Aufführung mit tränennassen Wangen die Hände gestreichelt hatte, um ihr Beileid zu bezeugen. Anita Kupsch hat zwar nach eigenen Angaben auch einen großen Irrtum erlebt, "meinen zweiten Mann, ein Franzose. Der war in Ordnung, so lange er kein Deutsch konnte." Als sie später aber verstehen konnte, was er so von sich gab, war sie schon unter der Haube. Seit 29 Jahren ist sie jedoch in ihrer dritten Ehe glücklich. Familienidyll trotz Tourneestress? "Es ist schon schwer. Aber ich mache das Beste draus." Außerdem: "Im Leben bin ich nicht immer glücklich, auf der Bühne schon." Und was rät sie Frauen, damit es ihnen nicht so ergeht wie der Protagonistin der Komödie? "Männer soll man an der langen Leine lassen und selbst möglichst unabhängig bleiben."

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