Mit spürbarer Freude

- Jeden Sonntag ein großes Kunstwerk bieten, so hat Bach die Aufgabe gelöst, Kantaten für die wöchentlichen Gottesdienste zu komponieren. "Nimm hin, was dein ist, und gehe hin", BWV 144, stellt den Münchener Bach-Chor unter Leitung von Hansjörg Albrecht an diesem Abend in den Mittelpunkt. Das Ensemble zeigt sich im Herkulessaal mit feinem Zusammenklang, wobei es sich immer in den Dienst der Musik stellt, sie nie als Darstellungsplattform ansieht. Leider gerät ihm der Text an vielen Stellen unverständlich.

Herausragend ist der kurzfristig eingesprungene Solist, Thomas E. Bauer, Bariton. Einmal warm gesungen, schafft er es, die Musik zu "leben", seine eigene Bach-Interpretation vorzustellen. Die Kantate "Ich will den Kreuzstab gerne tragen", BWV 56, ist sein Solostück, hier nimmt er ähnlich wie in der Arie der vorigen Kantate, "Ich hab in Gottes Herz und Sinn", BWV 92, den Schwung der Worte in seine dynamisch ausgefeilten Bögen mit. Das ansonsten beweglich und durchsichtig musizierende Münchener Bach-Orchester kann ihm nicht immer in seine Interpretation folgen. <BR><BR>Die Solistinnen Jasna Reiner, Sopran, und Annekathrin Laabs, Alt, kommen nicht oft zum Einsatz, beide überzeugen aber in ihren Arien mit Klarheit und Wärme. Die lichteste Kantate, "Himmelskönig, sei willkommen", BWV 182, steht am Ende des Abends. Tenor Alexander Yudenkov hat hier manchmal Probleme, seine Stellen musikalisch gut zu unterfüttern und seine Interpretation durchzusetzen. Der Chor dagegen glänzt in der Fuge noch einmal richtig und zeigt spürbar Freude an der Musik. <BR>

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