Die Spur des Geheimnisvollen

- "Wir haben uns einen dramaturgischen Ablauf ausgedacht", erklärt Alexandra Ranner. Sid Gastl und sie haben für die Münchner Galerie Six Friedrich/ Lisa Ungar ein Konzept aus ihren Werken und Arbeitsweisen entwickelt (außerdem sind neue Bilder von Christoph Schmidberger zu sehen). Zur Open Art, dem langen Galerie-Wochenende zum Saisonstart nach der Sommerpause, können die Besucher eintauchen in "eine klaustrophobische Situation, in ein Dunkel", das einen merkwürdigen "Flur" freigibt und seltsame Gemälde.

<P>Ranner, 1967 in Osterhofen geboren, und Gastl, geboren 1955 in Nürnberg, unterstützen die Galerie-Initiative, denn "es gibt dann einfach mehr Besucher in den Ausstellungen als sonst". Man informiert sich selbst ebenfalls, auch wenn "oh Schreck, die Ruhe den Sommer über" hin ist, wie Ranner ironisch seufzt. Der Auftritt als Künstler-Doppel bei Open Art ist aber nicht zwingend notwendig, beide seien Künstler der Galerie, und die Werke hätten "in Grundstimmung und Tendenz etwas miteinander zu tun, auch wenn Alexandra im installativen Bereich arbeitet und ich als Maler", meint Gastl. Allerdings waren sie als Duo schon erfolgreich, zum Beispiel bei Kunst am Bau für das Biotechnologie-Zentrum in Martinsried. Ihre Dioramen sind ab Ende Oktober zu entdecken. </P><P>Ist der gemeinsame Nenner also die Architektur? Alexandra Ranner ist bekannt geworden durch ihre containergroßen "Kisten", in denen sich, leicht geschrumpft, ganze Zimmer befinden. Sid Gastl schafft Landschaften, Häuser, Gärten, figurativ gemalt, aber in seltsame Aura getaucht. Beide zögern nachdenklich, erwähnen als Erstes den Menschen. Er sei es, der hinter dem steht, was die Arbeiten ausdrückten. Auch wenn er fast nie zu sehen ist? "Nein, bei mir ist jetzt ein Mensch dabei", kontert Ranner, "das ist neu". Wer in ihren "Flur" schaut, wird einen Spiegel entdecken, "der zeigt, was sich im Zimmer abspielt" - inklusive ein bisschen Hitchcock-Gruseln. "Aber der Mensch ist im Prinzip Stellvertreter für einen Geisteszustand", sagt sie, und der sei "schwierig, grenzwertig". Auch wenn all ihre Bauten täuschend authentisch wirken, geht Ranner nicht "nach der Natur" vor: "Ich benutze nie ,Ready mades." </P><P>Sid Gastl unterstreicht diese Haltung: "Das ist eine Gemeinsamkeit, dass wir an Situationen arbeiten, in denen die Normalität in einen Kipp-Zustand gerät. Das dürfen keine erfundenen Situationen sein, sie müssen immer nahe an der Realität liegen." Es komme doch vor, dass man an einem normalen Haus vorbeigehe, das man auch schon tausend Mal gesehen habe, das aber in diesem Moment eigenartig beleuchtet sei - und schon sei das normale Haus ganz anders. Deswegen schaffe er sich als Maler quasi ein Film-Set: "Bäume, Häuser et cetera - und dann setze ich das Licht."</P><P>Geheimnisvolle Bilder - wieso die Faszination durch das Rätselhafte? Nüchtern meint Alexandra Ranner, "das entwickelt sich so über die Jahre", erzählt aber doch von ihrer besonderen Sichtweise, wenn sie durch die Straßen geht. "Mich bewegt die Vorstellung von den Menschen in den Häusern - dass ich sie sehen muss." Es seien weniger deren Geschichten, mehr deren Zustände, die wichtig seien. Diese verwandeln sich dann in den Betrachter verunsichernde Konstruktionen "mit Ecken, hinter denen man eine Person vermuten kann . . .". </P><P>"Das ist doch das Interessante, dass man nicht weiß, was einem passieren könnte", ergänzt Sid Gastl, "man ist nachts in einer Landschaft, in der alles anders ausschaut. Das löst Angst, aber auch Neugierde aus. Geschieht etwas Schlimmes, etwas Gutes?" Deswegen wollen beide den Betrachter ins Spiel verwickeln. "Alexandra schneidet den Raum in der Mitte durch; bei mir ist der Betrachter mal ganz weit weg, wie im Hubschrauber, oder ganz, ganz dicht dran: Wir hantieren mit der Psyche des Betrachters."</P><P>10. September, 18 Uhr, bis 30. Oktober, Steinheilstraße 18, Tel. 089/ 52 31 07 17; Open Art 10.9., ab 18 Uhr, und am 11./12.9., 11-18 Uhr.<BR></P>

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