Auf der Spur von scharfer Aktualität

- Bei Ideen- und Doku-Dramen fährt man ja meist erst mal die Abwehrstacheln aus _ erst recht, wenn ein Professor für Altertumskunde zur Feder gegriffen hat. Vorurteile schmelzen aber schnell weg bei dem Judaisten Hyam Maccoby und seiner "Disputation - Christen gegen Juden" (1988) in der streng-klaren deutschen Erstaufführung von Eos Schopohls Theater Fisch & Plastik. Immer auf der Fährte von Risiko und passendem Spielort, ist es diesmal die Münchner Lukaskirche (Mariannenplatz).

<P>Hart auf der Spur auch von brandscharfer Aktualität: im Zuge des Israel-Palästina-Konflikts wieder aufflackernder Antisemitismus - dass ist, Regie-Fingerzeig nicht nötig, der Hintergrund, auf dem man Schopohl versteht. Unter päpstlichem Druck lässt sich der im Grunde den Juden wohlgesinnte Jakob I. von Aragon 1263 überreden zu einem "Streitgespräch" zwischen Rabbi Moses ben Nachman und dem Konvertiten Pablo Christiani. Der Ex-Jude soll das "Bekehr-Geschäft" am besten verstehen.</P><P>Auf diesen Kern-Dialog bereitet Schopohl mit Kurz-Sequenzen in seitlichen Nischen und rundum auf Emporen bestens vor. Beim Umherwandern und durch schwierige Akustik geht wohl etwas an Konzentration verloren. Eine Guckkastenbühne hätte aber nie die inquisitorische Authentizität dieser karg-düsteren Kirche.</P><P>Und die Darsteller holen einen sofort wieder in den Text zurück. Robert Spitz, ein zwischen erotischen (Geliebte vs. Gattin) und religiös-politischen Fronten leicht abgelebt-willenloser König, vor allem aber Hubert Bail als präziser, sinnesoffener Anwalt des jüdischen Glaubens, ein Bruder Nathans quasi, und Rainer Haustein, ein besessen Bekehrter, der sich jedoch vor Klischeehaftigkeit hütet.</P><P>In ihrem Gefecht der Lehr- und Glaubenssätze steht gegen starr-dogmatische Wortgebundenheit der christlichen Religion die lebendige Auseinandersetzung, die Auslegungsfreiheit des Talmud. Der in jüdischer Denk- und Streitkultur geschulte Rabbi siegt haushoch im Argument - in der Realität der Machtverhältnisse muss er außer Landes. . . Ein Abend, echt, ohne jeden Thesen-Haugout.</P><P>Bis 8. März: Mi., Fr. u. Sa. sowie am 1., 5. und 8. März; Tel. 089/ 24 20 92 60.<BR></P>

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