Auf den Spuren der Satansjünger

- Die Musik: extrem rhythmisch oder hart. Die Installationen: Filme zum Satanismus, Sezierung des Schwertfisches oder Kabinette zu Alltag und Oberfläche. Die Künstler: drei Männer der 30er-Generation, die einen unglaublichen Mix aus Theater, Musik, bildender und Medienkunst inszenieren. Unter dem Label "interesting productions" arbeiten sie mit einem Stab an Künstlern und Musikern zusammen, die sich zuletzt eine Woche lang in Münchens lothringer 13 austoben durften.

Die Ausstellung soll nun allerdings mehr sein als Dokumentation einer verrückten und inspirierenden Woche. Sie soll zeigen, was junge Kunst heute will: von einer schrillen Oberfläche zum schwarzen Kern vordringen, vom Subjektiven zur Gesellschaftsanalyse. Wer sich einfühlen möchte, braucht starke Nerven, eine grundsätzliche Neugier und Aufgeschlossenheit und vor allem den treibenden Rhythmus einer arbeitsorientierten Generation, die hinter Pop und Trash ihre eigene Sprache gefunden hat.

"The Redesign of Satanism" läuft auf einer großen Leinwand. Die Grundsatzgedanken zum Satanismus sind dramaturgisch aufgebaut wie ein abstruser Gottesdienst, wo sich gewaltvolle und philosophische Sequenzen abwechseln. Zerschlagene Farbbeutel und Texte von Sartre und BaudeMünchlaire fokussieren die Geistlosigkeit und Ziellosigkeit der Welt. Satanismus, ursprünglich Grund für Ausgrenzung, dient heutzutage schon fast als Rechtfertigung für Abnormitäten.

Derartige Beobachtungen, genauso über die Ersatzreligion Sport, werden in rhythmischen Sequenzen geschnitten von dem Münchner Tobias Yves Zintel, der schon bei den Kammerspielen und im Lenbachhhaus tätig war und 1999 das tourette- tv gründete. Die Musik ist das Werk von Murena, der seine Experimente bisher im Volkstheater, im Atomic Café und im Haus der Kunst aufführte. Murenas zwölf Plattenspieler mit Dubplates, also eingeschnittenen, einseitigen LPs, stehen dem Betrachter genauso zur Verfügung wie der Aufbau zwischen Fischernetzen und Himmelbett.

Was Murena selbst bei seinen Perfomances daraus macht, ist eine Mischung aus Jammern und Schreien, aus Gitarrensound und Beat. Zitierte Stilelemente verbinden sich dabei zu einem harten Post-Pop. Generell kann man sagen: Den Künstlern ist für ihre Collagen nichts und alles heilig. Bo Christian Larsson, der in München auch im Haus der Kunst und den Kammerspielen agierte, konfrontiert in diesem Sinne mit seiner Installation "supergone".

Die Weiterentwicklung des Pentagons liefert beleuchtbare Räume, die Alltagsoberflächen wie alte Flaschen, Glitter für die Drogenwelt und mieseste Charaktere zum Thema haben. Verhüllt in Plastikplanen entsteht in der lothringer so fast eine Mystik der Gegenwart.

Bis 22. Oktober, Telefon 089/ 44 86 961.

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