Spuren der Verheerung

- Die Jahrhundertflut hat auch an nationalen Kulturdenkmälern in Sachsen und Sachsen-Anhalt teilweise verheerende Schäden angerichtet. Vor allem die aufwendig wieder aufgebauten barocken Wahrzeichen Dresdens - die Semperoper und der Zwinger - litten unter den Wasser- und Schlammfluten.

<P>Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin stellte am Samstag zwei Millionen Euro Soforthilfe aus der Bundeskulturstiftung für beschädigte oder gefährdete Kulturgüter zur Verfügung. </P><P>Akut bedroht war am Sonntag das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das wie das ebenfalls bedrohte Dessauer Bauhaus zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Die UN-Kulturorganisation hatte bereits am Samstag "jede technische und finanzielle Hilfe, die in ihren Mitteln steht", angeboten. Diese Mittel seien allerdings begrenzt, so UNESCO Generaldirektor Kochiro Matsuura. </P><P><BR></P><P>Hunderte von Helfern waren im Einsatz, um den einzigartigen Wörlitzer Park vor der Überflutung zu retten. Das an der Elbe zwischen Wittenberg und Dessau gelegene Areal mit Seen, Kanälen, dem Schloss, Tempeln, Häusern und Brücken wird jährlich von rund 900 000 Menschen besucht. </P><P><BR>Auch in der Region Wittenberg, wo seit Samstag mehrere Ortschaften evakuiert werden, blieb die Situation angespannt. Das ebenfalls zum Weltkulturerbe zählende Wittenberg mit seinem intakten Stadtbild beherbergt die Luther-Gedenkstätten wie das Wohnhaus und die Stadt- und Schlosskirche, an die der Reformator 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben soll. Auch das Haus des Luther-Freundes und Malers Lucas Cranach in Wittenberg wäre im schlimmsten Fall bedroht. </P><P><BR>Der Wiederaufbau der Kunst- und Kulturstadt Dresden wird nach Einschätzung von Kunstminister Matthias Rößler (CDU) ein nationaler und internationaler Kraftakt: "Hier wird sich Solidarität von allen Seiten beweisen müssen. Glücklicherweise ist es in wirklich dramatischen Rettungsaktionen gelungen, die vom Wasser bedrohten Depots der Staatlichen Kunstsammlungen zu räumen." </P><P><BR>Dabei waren allein 11 000 Teile aus der Skulpturensammlung im Albertinum und 4000 Bilder der Sempergalerie gesichert worden. Dort lagerten unter anderem Cranach-Werke, Pastelle des Italieners Rosalba Carriera und Bilder des Dresdner Malers Anton Graff, die vor der Zerstörung gerettet werden konnten. Auch die Depots der Porzellansammlung sowie der Rüstkammer konnten fast vollständig geräumt werden. Ebenso gesichert wurden die Stücke im Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz, das inzwischen auch im Wasser steht. </P><P><BR>Wie groß die Wasserschäden an den weltberühmten Bauten wie Zwinger und Semperoper sind, sei derzeit nicht einmal annähernd abzuschätzen. An beiden Komplexen Nur eine Woche ohne Aufführungen verursacht einen Ausfall von einer halben Million Euro wurde der Kampf um die Rettung vor dem Hochwasser nach einer kurzen, resignierten Pause am Freitag wieder aufgenommen. Nach Auskunft einer Sprecherin der Staatsoper laufen die Pumpen in den historischen Gebäuden rund um den Dresdener Theaterplatz wieder auf Hochtouren. Der Innenhof des Zwingers bietet aus der Luft das Bild eines großen Sees. Einsatzkräfte pumpen zudem seit Tagen die Keller des im Wiederaufbau befindlichen Schlosses aus. Auch im rekonstruierten bzw. wiederaufgebauten Taschenbergpalais hat das Wasser den roten Teppich überflutet. </P><P><BR>Wie lange die Kunststadt Dresden unter der Katastrophe zu leiden habe, wagte Rößler nicht vorherzusagen. Allein eine Woche ohne Aufführungen in der Semperoper, deren Keller mit Wasser voll gelaufen war, verursache eine halbe Million Euro Ausfall. "Wenn es optimal läuft, könnte die Oper vielleicht in sechs bis acht Wochen wieder öffnen." </P><P><BR>Auch so manchem Theater in der Prager Altstadt steht im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser bis zum Hals. Jetzt haben überall in Tschechien die Rettungskräfte am Wochenende damit begonnen, bedeutende Kulturdenkmäler vom Schlamm zu befreien. Die historischen Bauten auf der Prager Kampa-Insel, die jüdischen Synagogen sowie acht Theater der Hauptstadt waren von den Fluten überschwemmt worden. </P><P><BR>In Südtschechien wurden im historischen Zentrum von Cesky Krumlov (Krumau), das ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört, 350 historische Gebäude schwer beschädigt. Überschwemmt wurden auch das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt und der angrenzende Friedhof.</P>

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