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Schwer fassbare Ereignisse: Malte Wandel vor seinen Bildern im Münchner Stadtmuseum.

Auf Spurensuche in der Olympiastadt von 1972

München - Olympia 1972 und das Attentat sind Teil der Geschichte Münchens. Doch wie viel wissen die jungen Münchner darüber? Eine Ausstellung im Münchner Stadtmuseum.

Wie viel sollten sie wissen – und wie sehr sind sie eigenverantwortlich für ihr Halb- oder gar Nichtwissen? Malte Wandel, Jahrgang 1982, ist in der Landeshauptstadt aufgewachsen und hat nie etwas darüber in der Schule gelernt. Deswegen begab er sich auf Spurensuche, kletterte über Zäune, lief Fluchtwege der Terroristen ab.

Seine Foto-Installation „Official“ (2010) im Münchner Stadtmuseum zeigt eine diffus-junge Sicht auf die Ereignisse und verdeutlicht so, wie undurchsichtig und damit schwer fassbar die damalige Situation tatsächlich war – und in der Rückschau immer noch ist. Für die über 40-Jährigen ist es mit dem Attentat, bei dem im September 1972 acht Mitglieder einer palästinensischen Terrororganisation in die Appartements der israelischen Mannschaft eindrangen, wie mit der Kennedy-Ermordung: Sie wissen genau, wo sie damals waren, als sich die Nachricht im Schnellverfahren verbreitete. Für die unter 40-Jährigen bleiben die TV-Aufnahmen, Artikel und die dezenten Erinnerungstafeln in der Connollystraße 31 sowie am ehemaligen Militärflughafen Fürstenfeldbruck.

Künstler Wandel spielt mit all dem, packt das Jetzt, die Fröhlichkeit der Spiele, die Erbarmungslosigkeit des Medienspektakels und den Hass der Terroristen zusammen. Und zwischendrin zeigt er die Fotos seiner Mama, die als Olympia-Hostess (weitab vom Attentatsschauplatz) dolmetschen durfte. Er stellt ein Motiv der fröhlichen Ulrike Meyfarth nach ihrem Gold-Hochsprung neben eine Aufnahme des Zauns, über den die Terroristen zu Beginn ihrer Gräueltat kletterten. Er stellt das Olympia-Regenbogen-Farbkonzept von Otl Aicher neben die gefühlt 100 aneinandergereihten, uniformen Briefkästen im Dorf. Für den Betrachter dieser Fotos werden die Hintergründe des Attentats nicht nachvollziehbarer, nur eines wird überdeutlich: Die Show musste weitergehen, und das Leben sowieso. Doch vergessen sollte man all dies nicht, es hat München mitgeprägt.

Angelika Mayr

Bis 5. August; St.-Jakobs-Platz 1; Telefon 089/ 23 32 23 70; Das Künstlergespräch ist an diesem Mittwoch um 15 Uhr.

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