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Das „Dornröschen“-Paar: Katherina Markowskaja in der Titelrolle und Ivan Vasiliev als Prinz im Münchner Nationaltheater.

Staatsballett: Schläfriges Dornröschen

München - Tosender Publikumsjubel im Münchner Nationaltheater für das Staatsballett-„Dornröschen“ mit dem Stargast Ivan Vasiliev und der Ex-Dresden-Solistin Katherina Markowskaja, die für Vasilievs Frau Natalia Osipova einsprang.

Das „Fluggeschoss“ Vasiliev und die Brio-Ballerina Osipova hatten uns 2007 beim Gastspiel des Moskauer Bolschoi-Balletts in „Don Quixote“ buchstäblich von den Sitzen gerissen. Diesmal konnte nicht jeder in den Jubel einstimmen. Schöne Momente gab es, ja. Aber auch eine Reihe von Unebenheiten – und plötzlich sah Ivan Li(s)kas Version des Petipa-Klassikers von 2003 alt und müde aus. Müde, glanzlos, zu wenig im Stil gecoacht (Arme, Hände!) wirkten nicht nur die Feen im Prolog. Auch ein sonst immer technisch brillanter Tänzer wie Javier Arno Gonzales hatte im Fabergé-Pas (III. Akt) kräftemäßig mit seiner Variation zu kämpfen.

Ganz offensichtlich haben die Proben für die Ballettwochen-Premiere am 22. April Li(s)kas Tänzer geschlaucht. Eine weitere Widrigkeit: die Absage Osipovas. Mit ihrem Mann hat sie das im Umbruch befindliche Bolschoi verlassen und tanzt sich zurzeit im St. Petersburger Mikhailowsky-Ballett – unter der Leitung des renommierten Katalanen Nacho Duato – die Füße wund. Markowskaja, gerade freischaffend, hier auch schon bewundert als Marie in John Neumeiers „Nussknacker“, ist zwar technisch und im barock-klassischen Stil vollkommen auf der Höhe der Rolle. Aber so etwas von einem taufrischen, zum Leben erblühenden Dornröschen hat man bei ihr nicht erlebt. Vielleicht war es ja nur die ungute Einspringer-Situation. Herzblut dafür bei Vasiliev, der aus einem unverbrauchten Gefühl heraus tanzt. Dennoch: Den lyrischen Prinzen Désiré sollte er sich nicht antun. Selbst als Firstclass-Ballerino, mit auch hier prächtig hingefederten Sprungmanegen, muss man nicht alles tanzen können/wollen. Der „Don Quixote“-Basilio, der „Corsaire“, „Spartakus“, mit dem er im Februar in Japan gefeiert wurde – das sind seine Rollen. Und gerne würde man ihn hier als Petrucchio in „Zähmung“ sehen.

Kleine Höhepunkte waren der Pas de deux der blauen Vögel von Karen Azatyan und Ilona Werner, der gestochen getanzte Däumling von Ilia Sarkisov, das Katzen-Pärchen Giulina Bottino und Nikita Korotkov. Die Stärke des Staatsorchesters unter Valery Ovsianikov war diesmal – die Lautstärke. Schade um die Tschaikowsky-Partitur.

Nochmals „Dornröschen“

am 12. 4., 089/ 21 85 19 20.

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