Staatsballett: Wiederaufnahme von "Schwanensee"

- Ein "Petipa-Jahr" hat Staatsballett-Chef Ivan Liska zu Saisonbeginn ausgerufen. Hochgespannte Erwartung also jetzt bei der Wiederaufnahme von "Schwanensee" im Münchner Nationaltheater. Für die Klassik-Fanatiker ist Ray Barras Version eine wertmindernde Aufweichung der puren strengen Linie von Petipa/Iwanow.

Aber wenn dieser Barra lupenrein getanzt wird, vor allem mit einem seelischen Atem, dann findet man viel Gefallen an der verspielt locker, im Grunde a-zaristisch, man kann schon sagen, modern tanzenden Hofgesellschaft im ersten, freundet sich wieder an mit der Opernoptik im zweiten Akt (lyrisch einfühlsam am Pult: Michael Schmidtsdorff).

Aber leider, leider: auf Hochglanz geprobt war das Ensemble noch nicht -­ was umso mehr zu einem nächsten Besuch anreizt. Und die fünf Debüts? Mit ein bisschen mehr Aristokraten-Courage wird Silvia Confalonieri bald eine imposante Königinmutter. Ihr Prinzensohn Siegfried besticht bei Tigran Mikayelyan mit phänomenal hochgeschnellten Stahlfeder-Sprüngen. Der sichtbare darstellerische Wille dieses blendenden Technikers kommt jedoch (noch) nicht aus dem Zentrum des Gefühls ­ und findet in Natalia Kalinitchenkos technisch versierter Odette, in ihrer brillierenden Gala-Odile auch keinen emotionellen Widerpart. Ivy Amista gibt Siegfrieds sonst elegisch verzagter Verlobter eine neue leidenschaftliche Allegro-Qualität. Und hinreißend Feststimmung versprühend Roberta Fernandes‘ Debüt als italienische Prinzen-Kusine, assistiert vom "Luftstürmer" Lukas Slavicky.

Hörbar starker Applaus auch für Marlon Dino als Rotbart -­ in Präsenz und geschliffener Geste ein Fürst der Finsternis.

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