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Die Oper "Rusalka" hat am Samstag Premiere.

Tote Rehe für Musikfreunde

München - Wie weit reicht die künstlerische Freiheit? Dürfen für sie Tiere getötet werden? Und wenn ja, wie viele?

Ginge es nach Martin Kusej, wäre die Sache klar. Um den Besuchern der Staatsoper die Hässlichkeit dieser Welt vor Augen zu fühtren, wollte der Regisseur von Antonin Dvoráks Oper „Rusalka“ vor jeder Aufführung ein Reh schlachten lassen, um es auf der Bühne zu häuten. Nach Protesten wird aber nichts aus dem makabren Schauspiel. Die Veranstalter ließen noch vor der Premiere von ihrem Plan ab. Doch Staatsintendant Nikolaus Bachler ist beleidigt.

„Staatsoper lässt Rehe schlachten“ hatte am Mittwoch die AZ mit großen Buchstaben getitelt. Es geht um eine Szene zu Beginn des zweiten Akts. Hier spielt ein totes Reh eine Rolle. Regisseur Kusej wollte sich dabei offenbar nicht mit einem Reh aus der Requisite begnügen, er wollte Fleisch sehen. Zwölf Vorstellungen waren geplant, inklusive der Proben hätten wohl noch mehr Rehe dran glauben müssen.

Doch der Aufschrei von Tierschützern war laut. „Ein solch würdeloser Umgang mit unseren Mitgeschöpfen unter dem Deckmäntelchen der Kunst ist unter ethischen Gesichtspunkten zutiefst zu verurteilen“, schimpfte Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Offensichtlich reichten Nacktheit und Sexualität nicht mehr aus, um Menschen zu schockieren. Jetzt müssten Tiere herhalten, so Apel. „Dem Regisseur ist wohl die Kreativität ausgegangen“, protestierte die SPD-Landtagsabgeordnete Adelheid Rupp. Ihr Parlamentskollege Christian Magerl von den Grünen meinte: „Es ist eine Zumutung, wenn man mit einem blutigen Reh auf der Bühne hantiert.“

Bei aller Empörung aber bleibt eine Frage: Hätte Kusej die Rehe für die Kunst schlachten lassen dürfen? Für Evelyne Menges, Stadträtin der CSU, ist die Antwort klar: Nein. „Man darf ein Tier nicht ohne Grund töten“, sagte Menges. Das stehe im Tierschutzgesetz. Sie habe deshalb schon Strafanzeige stellen wollen. Was die Oper da geplant habe, sei „bodenlose Primitivität“.

Für die Künstler aber stellt sich die Frage nach dem Tierschutzgesetz gar nicht. „Die Bayerische Staatsoper hätte die Tiere im Metzgereigewerbe erworben, nachdem sie bereits Tage zuvor erlegt worden sind“, hieß es in einer Mitteilung des Operhauses. Kein einziges Tier sei wegen einer Bestellung erlegt worden. Selbst im Kreisverwaltungsreferat geht man davon aus, dass das Ansinnen legal war. „Wir haben das geprüft“, sagte Sprecher Klaus Kirchmann. „Es verstößt nicht gegen Tierschutzbestimmungen.“ Aus Gründen des Lebensmittelrechts dürfe das Reh aber nicht verspeist werden. Es muss entsorgt werden.

Doch dazu wird es nun nicht mehr kommen. Aufgrund der Aufregung der letzten Tage habe man sich entschieden, „die Reproduktion eines Rehs“ zu verwenden, teilte die Staatsoper mit. „Es geht auf der Bühne um den Inhalt und die künstlerische Aussage der Interpretation“, erklärte Staatsintendant Bachler. Und die Rehjagd sei ein wichtiges Motiv der Oper „Rusalka“. Deutlich genervt schob Bachler hinterher: „Daher wählen wir Mittel, die es den Boulevardmedien nicht ermöglichen, von der Kunst abzulenken.“

Matthias Kristlbauer

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