Staatsoper wirft Dorn raus

- Der Zwang zum eisernen Sparen hat jetzt auch die Bayerische Staatsoper ergriffen. Hiobsbotschaft Nummer eins: Dieter Dorn wird nicht Mozarts "Zauberflöte" inszenieren. Die Neuproduktion war als Auftaktpremiere der Spielzeit 2004/ 05 geplant. Jetzt sagte Opern-Intendant Peter Jonas seinem Kollegen vom Bayerischen Staatsschauspiel wegen finanzieller Engpässe ab.

<P>Die Absage ist ein Schlag ins Gesicht des Opernpublikums. Denn Dorns Mozart-Inszenierungen an diesem Haus - "Così fan tutte" und "Le nozze di Figaro" - gehören nun einmal zum Feinsten, was Münchens Oper zu bieten hat. Und angesichts der erst jüngst herausgekommenen, peinlich gedankenlosen "Entführung aus dem Serail" wiegt Jonas' Nein gegenüber Dorn doppelt schwer: gleichsam als Absage an Mozart. Die derzeit im Repertoire befindliche "Zauberflöte" ist nämlich schon 25 Jahre alt.</P><P>Dazu die Stellungnahme der Bayerischen Staatsoper durch Öffentlichkeits-Chefin Ulrike Hessler: "So eine Entscheidung macht uns allen keine Freude. Aber wir sind gezwungen zu sparen und mussten abwägen, welche Neuproduktion verzichtbar ist. Wir haben gefunden, dass die existierende ,Zauberflöte eine noch vertretbare Inszenierung ist." Frisch aufgemöbelt, müsse August Everdings Uralt-Version noch ein paar Jahre halten. Denn der Doppelhaushalt 2003/ 2004 sehe nicht besonders günstig aus, da werde nun jeder einzelne Posten geprüft.</P><P>Also werden auch einige andere Vorhaben nicht so realisiert wie geplant. Bereits bekannt war, dass die Premiere "Boris Godunow" ausgetauscht wird gegen einen kostengünstigeren "Rigoletto". Verzichtet wird des Weiteren auf die Neuproduktion der für 2004/ 05 vorgesehen "Alcina". Stattdessen wird die 2002 in Hamburg herausgekommene Inszenierung dieser Händel-Oper für München eingekauft. Gestrichen wurde auch die Wiederaufnahme der "Poppea". Und Peter Konwitschnys Inszenierung "Der fliegende Holländer" (Saison 2005/ 06) wird sich Münchens Staatsoper mit Moskaus Bolschoi-Theater teilen. In diesem Jahr bereits steht zur Disposition: "Festspiel +" .</P><P>Sparmaßnahmen, für die heute jedermann Verständnis haben dürfte. Wie viel aber wird eingespart bei dem Verzicht auf eine neue "Zauberflöte"? Ulrike Hessler lässt es genau ausrechnen: "376 662 Euro." In dieser Summe enthalten: die Gagen für Regisseur und Ausstatter, die Kosten für Kostüme und Bühnenbild sowie die Probengelder für die Sänger. Abgezogen von dieser Summe wurden bereits die kalkulierten Ausgaben zur Überarbeitung der alten Bühne und Kostüme.</P><P>Der Betrag ist beträchtlich. Und auch dafür ließe sich Verständnis aufbringen, gäbe es da nicht die fragwürdige Entscheidung aus dieser Spielzeit, eine neue, eine zweite "Walküre" herauszubringen und jene, die Hans-Peter Lehmann als Einspringer für den verstorbenen Herbert Wernicke zu den letzten Opernfestspielen inszenierte, wegzuwerfen. Im Oktober noch verteidigte die Staatsoper, ohne Zahlen nennen zu wollen, diesen Luxus so: "Wir erwarten keine außergewöhnlichen finanziellen Probleme." Die Mehrkosten aber dürften in etwa so viel betragen wie nun durch die gestrichene "Zauberflöte" eingespart wird.</P><P>Warum gerade diese Oper dem Rotstift zum Opfer fällt und nicht etwa eine der zwei vorgesehenen Britten-Premieren _ "Rape of Lucrezia" (2003/ 04) bzw. "Billy Budd" (2004/ 05) oder "Die Meistersinger von Nürnberg" (2003/ 04), beantwortet Ulrike Hessler mit dem Hinweis, dass im Gegensatz wohl zu den anderen Regisseuren Dieter Dorn noch nicht seinen Vertrag unterzeichnet habe. Dass also darum die Staatsoper aus dieser Verabredung ohne Vertragsauszahlung herauskomme. Dabei weiß jeder: Die mündliche Vereinbarung ist bindend. Dorn: "Ich habe vor vier Jahren Peter Jonas zugesagt. Meine Verträge unterschreibe ich immer erst im letzten Moment, wenn alles unter Dach und Fach ist."<BR></P>

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