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Mit dem Megaphon als Hut wird sie zur japanischen Maid – Anna Riedl während ihres „Nachtflugs“.

Staatsschauspielerin zeigt „Nachtflug“

Silvester geht der traditionsbewusste Münchner in „Die Fledermaus". Warum nicht mal anders?

Im Münchner Marstall stimmte ein flirrig leichter musikalischer „Nachtflug“ auf den Jahreswechsel ein. „Zehn Frauen möcht ich sein, zehnfach ich selbst auf der Welt. In Rom und im Ritz und im Beduinenzelt“, dichtete einst Erich Kästner („Zur selben Stunde“). Und so ein verwegenes Gelüst nimmt die Staatsschauspielerin Anna Riedl - durch ihren „Mary Poppins“-Abend umworbener Publikumsliebling - mit Charme und Stimme wörtlich.

„Aber der Novak lässt mich nicht verkommen“ - den Refrain kennen Sie doch! Die erste Strophe aus Hugo Wieners Bänkellied von 1952 (im verklemmten Österreich verboten) hatte immerhin die „Schwabinger Gisela“ ab 1954 allabendlich in ihrem Programm. Anna Riedl dient das Lied als Rahmen für ihre Traumreise: Und so geht es flott von Wieners kessem Weibsstück („möchte Austern mit der Schale essen...mit einem Walfisch mich vergessen“) zum flirtigen Country-Girl und - rasch das große Megaphon zum asiatischen Hutmodell verfremdet - zur süß säuselnden japanischen Maid und zur „Fair Lady“. Riedl singt englisch, italienisch, spanisch, portugiesisch - jeder Akzent sitzt. Am treffendsten gelingen ihr die wie nebenbei hingeträllerten französischen Chansons. Bei den souligen US-Songs, für Nicht-Profis ohnehin schwierig, kämpft sie um die charakteristische indirekte Tonansteuerung. Aber Anna Riedl hat sichtlich selbst so viel Spaß daran, sich an Fremdem auszuprobieren, dass man gerne mitgeht. Lieber als bei mancher perfekten Performance. Und Gitarrist Rainer Jörissen, Violinist Blerim Hoxha und Stephan Lanius am Kontrabass musizieren mit ihrem besonderen Balkan-melancholischen Sound einfühlsamst auf ihre Sängerin zu.

Malve Gradinger

Nächste Vorstellungen am 9. und 16. Januar; Telefon 089/ 21 85 19 40.

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