Zum 80. Geburtstag

Stadtmuseum ehrt Karikaturisten Hanitzsch

München - Jeder kennt ihn. Die meisten mögen ihn. Zumindest augenscheinlich. Denn Dieter Hanitzsch ist freundlich und verbindlich. Zumindest persönlich.

Als Karikaturist ist er etwas ganz anderes. Da genießt er es, Salz in die Wunden zu streuen, Fehltritte aufzudecken, Machtstrukturen zu entblößen und die Politik durchaus als das darzustellen, was sie oftmals ist: ein Affenzirkus mit fataler Wirkung.

Wie nur hat er es trotzdem geschafft, dass sich Hunderte von Freunden, Feinden, amtierende wie ehemalige Würdenträger und Amtsinhaber im Münchner Stadtmuseum bis zur Atemnot drängen, um bei seiner Vernissage dabei zu sein? Allein die Ausstellung zum 80. Geburtstag (der am 14. Mai gefeiert wird) kann es wohl nicht sein.

Oberbürgermeister Christian Ude hat es analysiert: Hanitzsch hat es so weit gebracht wie der ganze Nockherberg. „Für Politiker gibt es nur zwei Möglichkeiten: durch den Kakao gezogen werden und auch noch so tun, als ob man es lustig fände. Oder man kommt gar nicht vor und findet das noch entsetzlicher.“ Richtig schlimm wäre es ergo für den Ministerpräsidenten-Kandidaten nur, bei Hanitzsch künftig zu fehlen. Aber da muss er sich keine Sorgen machen: Die 40-jährige Freundschaft wurde nie von Unehrlichkeit überschattet.

Hanitzsch wird auch weiter lächelnd sein Gift verspritzen. Schließlich tut er das nach seiner Karriere als Wirtschaftsredakteur und Abteilungsleiter des Bayerischen Rundfunks nun seit 50 Jahren: ob seinerzeit bei der Quick oder der Abendzeitung, seit langem als Autor, bei der „Süddeutschen Zeitung“ und im BR. „Hätten wir wegen jeder Hanitzsch-Karikatur, die uns nicht gefällt, eine Botschaft angezündet, dann würde heute noch das ganze Korps der diplomatischen Welt auf Campingplätzen hausen“, resümierte Kabarettist Helmut Schleich. Er verkörperte bei der Vernissage messerscharf und genial Hanitzsch’ Lieblingsopfer Franz Josef Strauß, der seinerzeit aufgrund seiner politischen und optischen Steilvorlagen zusammen mit seiner Frau sogar einen Prozess auf Gewinnbeteiligung anstrebte.

Welcher Politiker – und welcher Karikaturist – haben schon solch eine Geschichte geschrieben? Strauß mit Irokesenschnitt oder Sturmfrisur bei der Imageberatung, Strauß, wie er alle wörtlich genommen zur Schnecke macht: Bild- und Wortwitz paaren sich bei Dieter Hanitzsch stets perfekt. Eine glasklare Handschrift mit hohem Wiedererkennungswert per se und bei den Porträts, plastische Farbigkeit ohne überflüssigen Schnickschnack sowie ein untrügliches Gespür für Peinlichkeiten und die wahren Botschaften hinter politischen Schachzügen, all das zeichnet Hanitzsch aus.

In sieben Kapiteln geht’s in der Schau „Gut getroffen“ von München aus in die große Welt. Das ist auch ein Gang durch eine Politgeschichte, in der sich – traurigerweise – nicht viel geändert hat: Damals lag noch Edmund Stoiber mit Sparzwang auf der Psychiatercouch. Heute muss man nur die Gesichter austauschen. Die ebenso zeitnahen wie zeitlosen Zynismen gibt es sogar lebensnah als Marionette und auf zahlreichen Objekten. Devotionalien für einen Kritiker sozusagen.

Bis 20. Mai,

Di. bis So., 10 bis 18 Uhr,

Telefon 089/ 23 32 23 70.

Freia Oliv

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