Stammeln mit Methode

- Es ist dies ein Monolog ohne Anfang und Ende; ein Einstieg kann beliebig gewählt werden. Rolf Miller hat sich für das an Stammtische erinnernde "Jetz' komme die widder doher . . . !" entschieden - und schon ist das Publikum in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft mitten drin in einem Sermon, der dahinströmt wie ein langer, ruhiger Fluss. "Kein Grund zur Veranlassung" heißt das Programm, und der Titel sagt in seiner Absurdität schon alles über diesen Abend aus.

<P class=MsoNormal>Denn nicht nur die Mundart, die irgendwie nach Badisch klingt (aber eben nur irgendwie), ist in der Branche ganz und gar singulär, sondern auch die Konsequenz, mit der Miller seinen Wortschwall komponiert. Sein Alter Ego irrt ebenso ausdauernd wie hilflos durch das Dickicht der Sprache, ohne je einen (Aus-)Weg finden zu dürfen. Sätze brechen ab, Sprüche missglücken ("Der Tunnel am Ende des Lichts"), was ein Statement werden sollte, bleibt Nonsense ("Fünf Liter der Euro das Benzin"). Hier hat, wer plötzlich reich geworden ist, "Schotter wie Heu", und wer nichts Tierisches isst, ist "eingefleischter Vegetarier".</P><P class=MsoNormal>Wer mag, kann hinter den Wörtern eine Art (politischen) Standpunkt erkennen. Millers breitbeinig dasitzender Wirtshaus- und Sofarhetoriker bleibt auf Distanz zum technischen Fortschritt, misstraut den Grünen ("Die waren mal für Entführungen!"), der Esoterik und der DDR-Verwandtschaft. Aber das ist nicht so wichtig, denn die Bloßstellung des obligatorischen "kleinbürgerlichen Spießers" geschieht scheinbar absichtslos, en passant. Dafür ist dieser Typ, der da Geschichten von Achim, Jürgen und anderen namenlosen (Un-)Bekannten erzählt, viel zu sympathisch.</P><P class=MsoNormal>Und die Rede fast zu kunstvoll und mit viel Sinn für's Detail. Frauen im Orient hätten nichts zu sagen, lässt Miller seine Figur äußern - und den Kommentar einer Gesprächspartnerin sofort mit "Red' net!" stoppen. So hat das Stammeln eben doch Methode, so schärft ein klassischer Schwätzer auf geniale Weise das Bewusstsein für die frappierenden Beziehungen zwischen Form und Inhalt. </P>Heute um 20.30 Uhr im Lustspielhaus, morgen um 20 Uhr in der Lach & Schieß.

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