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Am Freitag unterzeichnete Chefdirigent Mariss Jansons seinen Verlängerungsvertrag beim BR-Symphonieorchester.

Der Star hautnah

München - Am Freitag unterzeichnete Chefdirigent Mariss Jansons seinen Verlängerungsvertrag beim BR-Symphonieorchester. Und am Abend zuvor gab es ebenfalls Grund zum Feiern.

Beim Finale des Merkur-Konzertabos mit Tschaikowskys „Eugen Onegin“ im Münchner Herkulessaal. „Wir sprechen dieselbe Sprache.“ Und wenn der Chefdirigent das schon so begeistert feststellt, ist eine Vertragsverlängerung eigentlich nur logisch. Bis August 2015 gilt nun die Vereinbarung zwischen Mariss Jansons und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Seit 2003 steht er an der Spitze dieses Ensembles, mit dem er zu einer Harmonie, ja Symbiose gefunden hat, die in der Klassikszene selten ist. Etwas länger hat es allerdings gedauert bis zur Unterschrift: Jansons wollte, so hieß es, erst die Situation unter dem neuen Intendanten Ulrich Wilhelm abwarten. Der brach bei der Vorstellung der nächsten Spielzeit eine Lanze für die Klangkörper des Senders. Diese leisteten einen Beitrag „zur Kulturarbeit in ganz Bayern“.

Und zum Thema neuer Konzertsaal gab sich der Intendant beschwichtigend: Er könne, trotz jüngster Kritik etwa aus der Landtags-CSU, „keine massiven Rückschläge feststellen“. Jansons warb erwartungsgemäß für das Projekt – nicht nur aus akustischen Gründen: Die Situation hinter der Bühne im Herkulessaal sei, wie er wieder feststellen musste, „eine Blamage“. Wermutstropfen für seine Fans: Der Dirigent gönnt sich in der kommenden Saison eine Ruhepause, ein „halbes Sabbatical“. Seit 45 Jahren dirigiere er nun, sagte Jansons. Er wolle einfach seine Batterien auffüllen. Statt zehn Wochen ist er also nur sechs beim BR, doch die haben es in sich: Der Mahler-Zyklus wird mit der monumentalen achten und der neunten Symphonie komplettiert, auch der Beethoven-Zyklus wird fortgesetzt.

Zudem stehen Promis wie Riccardo Chailly, John Eliot Gardiner oder Bernard Haitink am Pult, Daniel Harding übernimmt eine Südostasien-Tournee. Weiteres Saisonthema ist der Komponist Leo(s) Janá(c)ek. Dass beim ersten Familienkonzert des Orchesters ausgerechnet sein „Schlaues Füchslein“ im Mittelpunkt steht, obgleich das Studio der Staatsoper und die Theaterakademie dasselbe Werk zeigen, scheint keinen sonderlich zu stören. Der BR-Chor widmet sich in seiner eigenen Reihe einem gewohnt breiten Repertoire vom Barock bis zur Moderne, bietet auch Ungewöhnliches in Programmen wie „Ecstatic Meditations – The Sound of America“. Und die Musica Viva unter ihrem neuen Leiter Winrich Hopp kann immerhin mit solch dirigierenden Tonschöpfern wie Pierre Boulez und Peter Eötvös aufwarten.

Am Abend vor der Saisonvorstellung gab’s die Gelegenheit zu „Jansons hautnah“: Nach einer umjubelten Aufführung von Tschaikowskys „Eugen Onegin“ waren ausgewählte Leser unserer Zeitung zu einem kleinen Empfang im Foyer des Herkulessaals geladen. Anlass war das Finale des Merkur-Konzertabos, das in Zusammenarbeit mit dem BR-Symphonieorchester organisiert wurde – und das auch eine Fortsetzung erfährt. Der Aufruf wird Ende September veröffentlicht. Und was hat sich der Workaholic Jansons für seine Pausenzeit verordnet? Ins Theater wolle er verstärkt gehen, ins Kino, auch Proben der Kollegen besuchen, vor allem aber nach Jalta fahren, wo er seine Frau Irina kennengelernt habe. „Ich sammle genügend Kräfte – und dann wird das Orchester schon sehen...“, wie der Star amüsiert meinte.

Informationen zur nächsten Saison unter www.br-klassik.de

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