Starke Erwartungen an Thielemann

- Geschätzte 40 Mal "Meistersinger", dann noch dirigierender Dominator Bayreuths, dazu die streitbare Vorliebe für Pfitzner & Co.: Schon ist die Schublade mit dem Etikett "Teutonisch" fertig. Doch Christian Thielemann, der am Dienstag seinen Vertrag als Chef der Münchner Philharmoniker von 2004 an unterzeichnet, fühlt sich auch auf anderem Terrain "sauwohl", wie er es formulieren würde.

Bei Ernest Chausson zum Beispiel oder Giacomo Puccini. Zwei Komponisten, die er für einen seiner spärlichen Auftritte an der Deutschen Oper Berlin zusammenspannte - an jenem Haus, das sich den seltenen Gast immerhin als GMD leistet.

Chaussons filigrane Gewirke, die instrumentalen Finessen, das dezent Parfümierte, das sich nur punktuell zu robuster Dramatik verdichtet, all dies kam Klangtüftler Thielemann entgegen. So weit, dass Ann Murray, diktionsgenaue und klug gestaltende Solistin im "Poème de l'Amour et de la Mer", glatt zur Mezzo-Beilage degradiert wurde.

 Ausgewogener der zweite, gewichtigere Teil des Abends, Puccinis Oper "Suor Angelica" konzertant mit Frauenchor, elf Solistinnen plus Hahn im Korb: Thielemann reagierte chamäleonhaft auf wechselnde Atmosphären, erzielte mit dem solide bis feinfühlig musizierenden Opernorchester ein flexibles, geschmeidiges und genau ausgehörtes Klangbild: süffig ja, hoch emotional, aber nie gefühlig triefend und immer stimmfreundlich.

Christina Gallardo-Domás sang die Titelheldin, jene unglückliche Nonne, die im Kloster Selbstmord begeht, mit großer Intensität, leicht klischeehaftem Gestus und nuancenreichem, etwas faserigem Sopran. Ihre effektvolle Gegenspielerin: "Fürstin" Felicity Palmer, an deren scharfem Mezzo-Strahl sich zwar die Zuhörer zu erkälten drohten - was sie aber nicht am überlangen Jubel hinderte. Also auch Französisches und Italianità als Spezialfach? Das lässt für Thielemanns Münchner Taten Starkes erwarten.

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