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Mariss Jansons, Chef des BR-Symphonieorchesters

Mariss Jansons erhält Siemens-Musikpreis

Startkapital für den neuen Konzertsaal

München - Der Dirigent Mariss Jansons erhält im Münchner Prinzregententheater den Siemens-Musikpreis.

Wie genau das mit dem Geld laufen soll, ist noch offen. Ein Sperrkonto? Oder wird der Betrag bei den Gebern geparkt? 250 000 Euro als Münzsack daheim in St. Petersburg, das ist jedenfalls eher unwahrscheinlich. Denn das ist neu für die Siemens-Stiftung: Mariss Jansons, diesjähriger Träger des Siemens-Musikpreises, will die Viertelmillion für den ersehnten Münchner Konzertsaal spenden.

Den gibt es bekanntlich noch lange nicht, geschweige denn eine konkrete Planung. „Ich sehe meine Entscheidung aber als Aufruf an“, wie der Dirigent bei der Preisverleihung im Münchner Prinzregententheater unter heftigem Beifall sagte. „Seit zehn Jahren denken die Bayern, ich sei ein Papagei“, scherzte Jansons. Und trotzdem: Ein Saal für sein Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks müsse her.

Zu einer „flüchtigen Selbstanalyse“ habe ihn die Entscheidung der Siemens-Stiftung bewogen, sagte Jansons in seiner humorvollen, auch bewegenden Rede. Und womöglich hätten die Preis-Verantwortlichen ja Recht: „Vielleicht bin ich doch ein ganz guter Dirigent.“

Jansons bezeichnete die Verleihung als „einen der wichtigsten, aufregendsten Tage meines Lebens“ sprach von seinen Vorbildern, von seinem Werdegang und der „harten, mühevollen, bisweilen erschöpfenden Arbeit“. Ein intensives, unermüdliches Tun, für das der Star berüchtigt ist – und für das er letztlich von Musikern und Publikum auch geliebt wird.

Zuvor hatte Bariton Thomas Hampson in seiner Laudatio Jansons’ Leben Revue passieren lassen, von „disziplinierter Leidenschaft und leidenschaftlicher Disziplin“ gesprochen – und sich an Irina, die Frau des Dirigenten, gewandt: „Wir danken Dir, dass Du Mariss möglich machst.“

Zum 40. Mal wurde heuer der Siemens-Preis verliehen. Drei Förderpreise für Nachwuchskomponisten von je 35 000 Euro gingen an den Schweizer David Philip Hefti, den Kanadier Samy Moussa und den Serben Marko Nikodijevic. Unter der Leitung von Peter Tilling spielte das BR-Symphonieorchester jeweils ein Werk der Prämierten. Am Schluss jedoch war der Platz am Pult dem Mittelpunktsmann der Veranstaltung vorbehalten: Mariss Jansons dirigierte Ligetis „Concert Românesc“ – und führte ein weiteres Mal vor: Nicht nur Entspannung ist ihm fremd, auch so etwas wie eine Repertoiregrenze.

Markus Thiel

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