Mann verletzt mit Messer mehrere Menschen am Rosenheimer Platz: Täter flüchtig

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Das Staunen lernen

- Es ist immer wieder faszinierend, was die menschliche Fantasie leistet - an Schönem, Vielgestaltigem, Verrücktem und Verzwicktem. Deswegen hießen die Vorläufer der Museen zu Recht Wunderkammern. Wunder steckten zuhauf in ihnen, und wenn man sie anschauen durfte - sie gehörten den Herrschern -, dann musste man sich sehr wundern: Üppigkeit und Formenreichtum, Erfindungsgeist und stupende Fertigkeit zeichneten die Objekte der Künstler und Handwerker aus.

Darin wetteiferten sie mit der Natur, der unerreichten Meisterin. Heute wundern wir uns viel zu wenig.

Wer das wieder lernen will, hat beste Chancen in der Ausstellung "150 Jahre Bayerisches Nationalmuseum - Kulturgeschichte des Sammelns". Frappierend sind die Werke aus Elfenbein, charmant die bunten Taschenuhren, wie aus einer anderen Welt die Pokale mit Glasschnitt, merkwürdig die Schuhe aus der Zeit, als man erstmals mit dem hohen Absatz experimentierte.

Die Schau ist eine tiefe Verbeugung vor all den Sammlern seit den Wittelsbachern, die das Museum als eines der international wichtigsten kulturhistorischen Institute erst möglich gemacht haben. Diese Unterstützung dauert bis heute an. Das imposante Jubiläum, so hofft Direktorin Renate Eikelmann, möge auch die schleppende Sanierung des Hauses vorantreiben. Vieles ward nie gesehen. Die Bauerei ist schuld. Selbst das, was der Besucher nun auf Zeit bestaunen kann, ist ein winziger Ausschnitt.

Bayern und seine Geschichte

Maximilian II. arbeitete schon 1852 auf ein Museum hin, in dem sich die Geschichte Bayerns widerspiegeln und die Landesteile wiederfinden sollten. Zunächst wollte man die Max-Burg am Promenadeplatz erweitern. In der Ausstellung sind die Konzepte und kolorierten Entwürfe zu sehen. Schließlich war aber doch Maximilians Prachtstraße als Standort interessanter. Eduard Riedel baute passend zum Bürklein-Stil das Museum; in dem Gebäude an der Maximilianstraße ist heute das Völkerkundemuseum beheimatet.

Am 30. Juni 1855 hatte der König mit eigener Hand den Namen "Bayerisches Nationalmuseum" festgelegt. Fast 150 Wandgemälde gab er in Auftrag, um das Programm des Hauses zu illustrieren. Ein großer Vorlage-Karton - Bau der Steinernen Brücke in Regensburg - wird jetzt in der Präsentation gezeigt. Relativ schnell wurde das Haus zu klein. 1892 beschloss der Landtag, an der Prinzregentenstraße ein neues Domizil für die vielen Sammlungen zu errichten. 1900 konnte Gabriel von Seidls Bau eröffnet werden.

Die Kern-Sammler des Museums waren die Wittelsbacher. Deswegen wurden frappierende Elfenbein-Werke seit der Zeit Herzog Maximilians I. ins Zentrum der aktuellen Ausstellung gesetzt. Als "Trabanten" finden sich Menschen wie der Jesuit Ferdinand Orban (1655-1732), dem Dinge wie ein Becher aus Rhinozeroshorn oder ein Organum Mathematicum zu verdanken sind; oder Martin von Reider (1793-1862), aus dessen Besitz eines der ältesten Werke des Hauses, ein spätantikes, christliches Elfenbeinrelief (400 n.Chr.), stammt; oder Lillian Williams, von der man 1996 600 französische Kostüme - sogar für ein Äffchen - und Accessoires des 18. Jahrhunderts kaufte.

All diese Preziosen muss man gesehen haben: Simon Trogers hochdramatischen "Raub der Proserpina", die von Pluto in die Unterwelt verschleppt wird. Elfenbein ganz anders - eine unfassbar filigrane Dose, durchbrochen wie Spitze. Unter den Büchern ist das "Astronomicum Caesareum", das Hauptwerk von Peter Apian, zu entdecken. Ungewöhnlich sind Papiere wie Bronzefirnis- oder Brokatpapier. Und sogar Votivgaben, Ausdruck der Volksfrömmigkeit, fehlen nicht - vom plastischen Lungenflügel bis zum naiven Gemälde.

1.7.-13.11., 089/ 21 12 42 16; Chronik: 9,80 Euro. Museumsfest 2., 3. 7. 10-24 Uhr bzw. 10-20 Uhr.

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