Konzert im Freiheiz

Der Soul-Prediger aus Hamburg bittet zur musikalischen Messe

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München - Beim Konzert im Freiheiz entzückt Stefan Gwildis nicht nur die Damen. Hanseatischer als an diesem Abend ist München nur, wenn der Fischmarkt hier zu Gast ist, oder wenn Pauli bei den Löwen spielt.

Das Freiheiz an der Donnersbergerbrücke als Stefans-Dom: Stefan Gwildis, der fabelhafte Soul-Prediger aus Hamburg, bat zur musikalischen Messe, und seine Schäfchen folgten ihm nur allzu gern. Hanseatischer als an diesem Abend ist München nur, wenn der Fischmarkt hier zu Gast ist, oder wenn Pauli bei den Löwen spielt. Apropos Fußball: Mit 57 ist Stefan Gwildis zu einem extrem lässigen Mix aus Carlo Ancelotti und George Clooney herangereift – die Damen waren entzückt, und den Herren blieb der Spaß an herausragender handgemachter Musik.

Triumphal wie einst Horst Hrubesch und Manni Kaltz ins Volksparkstadion marschiert Gwildis ins Freiheiz ein, klatscht die erste Reihe ab, und lässt seine sechs Musiker mächtig grooven. „Let’s schnipp together“, schlägt er vor, und alles schnippt, alles tanzt, wenn der Mann im rotbraunen Anzug in seinen Songs über Spielbudenplatz und Millerntor swingt. „Halleluja, liebe Brüder und Schwestern“, staunt Gwildis immer wieder über die enthemmten Menschen aus dem wilden Süden. Seine zwei Bläser machen Dampf, mehr Stil und Klasse kann gepflegte Ü40-Mucke kaum haben.

Texte wie von Ina Müller - nur eben andersrum

Und dann diese Texte, auf die auch Küstenkollegin Ina Müller stolz wäre – nur eben andersrum, aus Männersicht. Der Soul-Ancelotti lehrt hanseatische Meditation („Poller hocken, Schiffe gucken, Schnauze halten“), und beflirtet als Bofrost-Fahrer die Frau aus der Doppelhaushälfte mit dem Doppelhaushälftenpferdeschwanz: „Jedes Gramm an dir ist göttlich. Du hast es bestellt, ich hab es dir geliefert.“ Und das Ganze dann mit Barry-White-Brummbärstimme. Ein nordsmäßiger Spaß!

Rubriklistenbild: © dpa

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