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Stefan Hunstein liest im Rahmen der Ausstellung „Boxing Cuba“. 

Interview zur Lesung im Museum Fünf Kontinente

Die Liebe der Künstler zum Boxen

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München - Als Mitglied von Dieter Dorns legendärem Ensemble begeisterte Stefan Hunstein das Publikum der Münchner Kammerspiele sowie des Bayerischen Staatsschauspiels. Zudem machte sich der Schauspieler als Fotokünstler einen Namen. Im Rahmen der Ausstellung „Boxing Cuba“ im Münchner Museum Fünf Kontinente liest Hunstein am Freitag Jack London. Wir sprachen mit ihm vor seinem Auftritt im Boxring.

Im Mittelpunkt von Jack Londons Erzählung „Der Ruhm des Kämpfers“ steht Pat Glendon Jr., ein Niemand, aber als Boxer ein Naturtalent. Er kommt aus den Wäldern, wo er mit seinem Vater lebt, in die große Stadt, um als Sportler Erfolg zu haben. Was, glauben Sie, hat London an dieser Figur fasziniert?

Jack London hat eine Figur voller Widersprüche geschaffen, eine Art Romanfigur, die in der Wirklichkeit kaum denkbar ist. Einen Boxer, der in der Wildnis aufgewachsen ist, sich in der Großstadt überhaupt nicht auskennt, vom Boxbusiness und dessen Machenschaften keinerlei Ahnung hat, sich für Shakespeares Sonette interessiert, jeden anderen schlagen kann, wann er will, nur gegen Frauen keine Chance hat.

Was reizt Sie als Schauspieler an der Geschichte?

Die Geschichte ist voller Dramatik, die Sprache kräftig, und die Dialoge sind wie aus einem Film von Billy Wilder.

London schrieb nicht nur als Schriftsteller übers Boxen, sondern berichtete auch als Sportreporter für diverse Zeitungen von den großen Kämpfen seiner Zeit. Bis heute sind zahlreiche Autoren vom Faustkampf ähnlich begeistert wie er. Was mag der Grund dafür sein?

Zum einen sind die Boxer, die sich ja meistens von den Rändern der Gesellschaft hocharbeiten, selbst so etwas wie Romanfiguren, die es selten genug an die Spitze der Gesellschaft schaffen, um sich dann aber wie Könige feiern zu lassen. Das ist von großer Theatralik. Zum anderen sind die Kämpfe selbst unverwechselbare Geschichten, die aufgrund der unterschiedlichen Charaktere, die dort aufeinandertreffen, einzigartig sind. Jede Begegnung im Ring ist eine eigene Geschichte.

Teilen Sie Jack Londons Liebe zum Boxsport?

Ja. Ich habe meine Kindheit mit diversen Boxidolen verbracht. Ich erinnere mich genau, wie ich zusammen mit meinem Vater immer gegen 4 Uhr morgens die Kämpfe von Muhammad Ali geschaut habe. Jeden einzelnen. Noch heute bin ich vom Boxsport begeistert und schaue, wann immer ich kann.

„Jeder Boxkampf ist eine Geschichte“, schreibt die US-Schriftstellerin Joyce Carol Oates. „Ein einzigartiges und bis zum Äußersten verdichtetes Drama ohne Worte.“ Sind die Theaterbühne und der Boxring tatsächlich vergleichbar?

Nein. Ein Theaterabend folgt ganz anderen Gesetzen. Hier geht es um Sprache und Aufklärung mit den Mitteln der Sinnlichkeit. Aber ein Theaterabend sollte spannend sein wie ein Boxkampf – eben ohne zu wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Ihre Bühne am Freitag wird ein Boxring sein. Ist das ein besonderer Reiz?

Das muss ich erstmal sehen, ob ich die Zuschauer von da aus erreiche. Oder ob nicht jemand sagt: „Na, ein echter Boxkampf ist spannender.“ Aber den bitte ich dann in den Ring.

Sie lesen im Rahmen der Ausstellung „Boxing Cuba“: Katharina Alts Fotografien erzählen dem Betrachter auch von der Hoffnung vieler Kubaner, sich durch den Sport aus ärmlichen Verhältnissen im Wortsinn herausboxen zu können. Sehen Sie hier Parallelen zu Jack Londons Hauptfigur?

Natürlich. Mit jedem Kampf verbindet sich die Hoffnung auf Anerkennung, persönlicher und gesellschaftlicher. Die eindrucksvollen Fotografien von Katharina Alt bilden genau die Folie für diese Wünsche, und sie liefern ohnedies noch die poetische Dimension dazu.

Stefan Hunsteins Lesung

findet am Freitag, 19.30 Uhr, im Museum Fünf Kontinente, Maximilianstraße 42, statt. Der Eintritt kostet 8/ 6 Euro. Kartenreservierung via Mail an info@hirmerverlag.de.

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