Steinerner Gast

- Die Schwalben, die Grillen, die Nacht und die Schwüle. Man braucht nicht viel mehr, um im Innenhof der Münchner Glyptothek ein antikes Drama aufzuführen. Und noch weniger, wenn es sich dabei um Sophokles' "Antigone" handelt, das Stück, in dem alle Sprache stärkstes Argument und alle Handlung spannender Bericht ist. Ringsum vier erleuchtete Arkadengänge und Kaiser Hadrians Bronzeaugen.

Die Theaterspiele am Königsplatz zeigen eine "Antigone", die in jedem Moment konzentriert und gespannt wirkt. Weil die Regisseurin Beles Adam sich nicht davor scheut, ihren Darstellern kaum mehr als das nackte Wort zum Ausdrucksmittel zu geben. Zusätzlich zu einer starren, weiß geschminkten Mimik, die passt zu den steinernen Gästen hinter den Glasscheiben der Glyptothek, zu den eisernen Standpunkten der Protagonisten, zum ausweglosen Kampf zwischen weltlicher und göttlicher Macht im Streit um das Begräbnis eines Verstoßenen.Tragödie und CommediaNur wenn die einzelnen Stimmen des Chores von den Wänden des Innenhofs widerhallen und der blinde Seher Teiresias - ein verhüllter Riese mit Umhangfalten wie aus Stein - ihm ins Gewissen redet, erweichen Ronnie Janots Züge.  Gebrochen  sinkt  sein Kreon nieder, seine Statue bröckelt. Judith Mirjam Bopps Miene bleibt ernst und unbeweglich - in der tiefen Überzeugung, das Richtige getan zu haben.Die Textkonzentriertheit steht im Kontrast zu einer spielerischen Handschrift, die in den eigensinnig anziehenden Kostümen von Adriana Taratufolo liegt. Sie bestehen aus Strickstulpen und Häkelmützchen, Schlangenlederimitat und Plastiksandalen. Und in einer Handvoll Stoffen, die den fünf Schauspielern bunt gegürtet als moderne Tuniken von den Körpern wehen. Das Ganze: nicht besonders griechisch, eher als hätten Figurentypen der Commedia dell'arte eine wundersame Reise ins Römische Reich angetreten. Aber es nimmt der Inszenierung ein wenig das Statuarische und macht den Abend des Ohres auch zu einem des Auges.Tragödie und Commedia,- die Verquickung ist eigenartig, doch sie funktioniert - solange sie lediglich die Kostüme betrifft. Fraglich bleibt, warum Rüdiger Bachs Wächter, Überbringer zahlreicher Schreckensnachrichten, ausgerechnet im Charakter eines tollpatschigen, harlekinesken Spaßmachers auftreten muss.

Bis 10. September (außer 17., 23., 24., 28. Juli), 20.30 Uhr (im August), 20 Uhr (im September). Karten: 089/ 300 30 13, 0171/ 300 62 59.

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