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Ein Wiedersehen für ein Wochenende: Der Schriftsteller Max (Stellan Skarsgård) und seine einstige Geliebte Rebecca (Nina Hoss) verbringen nochmals Zeit miteinander. 

Interview zum Kinostart von „Rückkehr nach Montauk“

Ist das die Rolle Ihres Lebens, Stellan Skarsgård?

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Berlin - Seit seinem Durchbruch mit „Breaking the Waves“ hat Stellan Skarsgård nicht nur in sechs weiteren Lars-von-Trier-Filmen mitgespielt, sondern etwa auch in „Fluch der Karibik 2“, „Illuminati“, „Thor“ und „Mamma Mia!“. Jetzt ist der 65-jährige Schwede in Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ zu sehen. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Volker Schlöndorff meinte, Sie würden hier die Rolle Ihres Lebens spielen.

Stellan Skarsgård: Pah! Das hätte er wohl gerne! Nein, das sehe ich nicht so.

Sie spielen einen narzisstischen Schriftsteller namens Max, der den Versäumnissen in seinem Leben nachtrauert.

Stellan Skarsgård: Ja, er ist ein Idiot. Die Frauen um ihn herum sind viel stärker und klüger als er. Insofern könnte man fast von einem feministischen Film sprechen. Männer, die zur Selbstreflexion fähig sind, dürften in Max einige typisch männliche Verhaltensmuster wiederfinden.

Zum Beispiel?

Stellan Skarsgård: Männer sind oft besessen von einer Idee und hoffen, die Wirklichkeit würde sich dieser Idee anpassen. Frauen sind viel realistischer. Wenn sie auch so naiv wären wie die Männer, dann wäre unsere Gattung vermutlich schon längst ausgestorben.

Max verhält sich nicht sonderlich nobel. Mögen Sie ihn?

Stellan Skarsgård: Ja. Er ist ein hoffnungsloser Fall, aber ich mag ihn. Sind wir Menschen nicht irgendwie alle hoffnungslose Fälle? Max verletzt andere Leute ja nicht aus bewusster Boshaftigkeit, sondern agiert bloß hochgradig kindisch. Eigentlich versucht er sogar, ein guter Mensch zu sein – nur ist er leider in dieser Disziplin alles andere als gut.

Volker Schlöndorff hat erzählt, Sie hätten bei der ersten gemeinsamen Lesung des Drehbuchs gesagt: „Jetzt muss ich alle Schandtaten büßen, die ich Frauen gegenüber begangen habe!“ Wie haben Sie das gemeint?

Stellan Skarsgård: Das klingt mir doch sehr nach einem Volkerismus. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas gesagt zu haben – und wenn doch, dann bestimmt nur im Spaß. Denn in der Regel bemühe ich mich wirklich sehr, stets nett zu Frauen zu sein.

Schlöndorff sagte auch, am Set hätte jeder in seiner eigenen Vergangenheit gekramt.

Stellan Skarsgård: Damit meint er wohl vor allem sich selbst. Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Sicher, ich habe im Laufe der Jahre tausende Fehler gemacht und dabei auch Menschen wehgetan, und das tut mir leid. Aber ich möchte das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, denn ich mag mein Leben. Ich wühle nicht in der Vergangenheit und denke: „Ach, hätte ich doch damals...“ Dazu finde ich die Gegenwart viel zu interessant!

Wie arbeitet Volker Schlöndorff mit seinen Schauspielern?

Stellan Skarsgård: Er ist flexibel und offen und lässt dir sämtliche Freiheiten. Bei jeder Szene durften wir verschiedene Varianten ausprobieren. Das ist fantastisch, denn nur, wenn man seine schauspielerische Technik und seine Tricks vergisst und sich völlig in die jeweilige Situation hineinfallen lässt, können die spontanen, irrationalen, einzigartigen Momente entstehen, die sich nicht planen lassen.

Mögen Sie es nicht, wenn ein Regisseur Ihnen detaillierte Anweisungen gibt?

Stellan Skarsgård: Nein. Ich verachte Filmemacher, die alles vorher festlegen wollen – dann passiert nichts Lebendiges mehr, dann bleibt das Resultat kalt und tot. Wenn mir jemand vorschreibt, bei einer bestimmten Textzeile meinen Kopf nach links zu drehen, breche ich in Gelächter aus. Ich denke mir: „Wieso hast du überhaupt Geld für mich ausgegeben?“ Und dann mache ich einfach, was ich will! (Lacht.)

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