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Stephan Braunfels vermutet hinter seiner Nichtzulassung ein abgekartetes Spiel.

Konzertsaal-Debatte

Braunfels: Das Kunstministerium lügt

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München - Neuer Ärger in der Münchner Konzertsaaldebatte: Weil er nicht zum Architektenwettbewerb zugelassen wurde, will Stephan Braunfels klagen. Außerdem bezichtigt er das Kunstministerium der Lüge

Kaum ist der Architektenwettbewerb für den Münchner Konzertsaal am Ostbahnhof in Gang gekommen, gibt es Ärger. Dies, weil der Münchner Stephan Braunfels nicht zum Verfahren zugelassen wurde – und nun die Entscheidung der Obersten Baubehörde des Freistaats gerichtlich anfechten will. 200 Architekten hatten sich um die Planung beworben. Sechs Büros wurden vom Entscheidungsgremium vorab gesetzt, 29 weitere sind nun in einem Auswahlverfahren dazugekommen. Stephan Braunfels, unter anderem für die Pinakothek der Moderne und das Berliner Abgeordnetenhaus verantwortlich, ist nicht dabei.

Hinter alledem vermutet der Architekt ein abgekartetes Spiel. Mehrfach war er in den vergangenen Jahren mit Standort-Vorschlägen und Planungen an die Öffentlichkeit gegangen, unter anderem für den Marstall. Eine Variante, die bald scheiterte. In einer Pressemitteilung bezichtigte Braunfels gestern Toni Schmid, Ministerialdirigent im Kunstministerium, der Lüge. Dabei bezieht er sich auf eine angebliche Stellungnahme des Star-Akustikers Yasuhisa Toyota. Laut Ministerium habe dieser gemeint, der Marstall eigne sich nicht für einen Saal. „Toyota war ob der Falschdarstellung seines Gutachtens sehr empört, zog aber sein geplantes Protestschreiben zurück, nachdem ihm (von Toni Schmid?) versprochen worden war, dass er mit der Akustikplanung des neuen Konzertsaales (an anderer Stelle) beauftragt werden würde“, schreibt Braunfels.

Im persönlichen Gespräch gibt sich Braunfels sicher, dass seine Klage Erfolg hat. Seine Bewerbung sei aus fadenscheinigen Gründen zu niedrig eingestuft worden. Darüber hinaus hält er eine Vorfestlegung auf den Akustiker Toyota für rechtswidrig. Hier werde gegen EU-Vergaberichtlinien verstoßen. Das Kunstministerium reagierte gelassen. Zum Thema drohende Klage verweist dessen Sprecher Ludwig Unger an die dafür verantwortliche Oberste Baubehörde. „Außerdem: Unter 200 Bewerbern nicht in die Endrunde zu kommen, ist nicht ehrenrührig.“

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