Stewart Copeland, The Police: Ich haue nur auf die Trommeln ein

München - Sting war heuer gerade auf Tournee mit Renaissance-Liedern, als der 30. Geburtstag seiner alten Band bevorstand. Da hatte er einen Geistesblitz. "Ich wachte auf und dachte: The Police müssen reanimiert werden." Und so stehen die Briten 24 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt wieder zu dritt auf der Bühne: Sänger Sting am Bass, Andy Summers an der Gitarre, Stewart Copeland am Schlagzeug.

Beim Münchner Filmfest letztes Jahr sagten Sie, Sie könnten sich eine Wiedervereinigung von The Police niemals vorstellen.

Ich habe mich getäuscht.

Wie kam es trotzdem dazu?

Es war Sting, der seine Meinung geändert hat. Ich habe The Police vergessen und war sehr überrascht, als er aus heiterem Himmel anrief.

Und Sie haben sofort zugestimmt?

Ich musste nicht nachdenken. Ich dachte immer: Eine erneute Zusammenarbeit wäre großartig.

Haben Sie die musikalischen Differenzen beigelegt, die einst zum Bruch der Gruppe führten?

Es war nichts Persönliches und nicht die Musik selbst, sondern wie wir die Songs arrangieren wollten. Wir haben immer noch Differenzen, aber über die Arrangements haben wir uns geeinigt. Wir haben mit der Weisheit zweier Lebensjahrzehnte verstanden, dass es der kontrastreiche Ansatz in der Musik ist, der The Police stark macht.

Meinen Sie damit auch die Mischung aus künstlerischem Anspruch und Rebellen-Attitüde?

Ja, die Kombination aus Musik- und Textgefühl mit Wut, Aufregung, Kraft ist gut.

Hilft es The Police, dass Sie alle reifer sind?

Ja und nein. Wir haben alle Familien mit Kindern im Teenager-Alter, was einen weise macht. Wir haben jetzt mehr Zen im Umgang miteinander. Andererseits sind wir bestimmter in unserer Art. Wenn ich Grün vorher gehasst habe, dann hasse ich es jetzt wirklich.

Sie haben sich nie offiziell getrennt, eine Wiedervereinigung ist es trotzdem. Ist das ein Projekt für ein Jahr oder eine Tour?

Im Moment planen wir nur für 2007. Das ist befreiend. So können wir uns dem voll hingeben. Wäre die Rockband wieder mein Leben, würde mich das deprimieren. Ich habe jetzt ein Leben, Freunde, Familie, Kinder. Wenn ich in einer Band spiele, kann ich kein Leben leben.

Es bleibt also bei einer befristeten Aktion.

Wir wollen nur rausgehen, Songs spielen und einen Wahnsinnsspaß haben. Sobald wir anfangen, über die Karriere nachzudenken, hört die Freude auf. Vor Monaten probten wir in Italien. Sting hat einen Palast dort, "The Magic Stingdom". Jeden Tag, nach Proben, Abendessen und ein paar Gläsern Wein, gingen wir in einen Raum mit wunderbarer Akustik, wo Sting seine akustischen Gitarren hat. Er ließ mich einen Fender Precision Bass von 1956 spielen. Das machte Riesenspaß, es war wie eine völlig neue Band. Wir spielten Flamenco-Versionen unserer Songs. Da meinte einer: "Hey, machen wir ein ,MTV Unplugged". Plötzlich wurde all das zu einer großen Mission, alles war nur noch Geschäft.

Warum wollte Sting das Wiedersehen? Hat er sich mit seinen John-Dowland-Adaptionen auf der Laute gelangweilt?

Das war der absolut weiteste Punkt der Flugbahn weg von The Police. Ich schätze, das war es, was ihn direkt an den Anfang zurückkehren ließ.

Ist es nicht komisch, einen Neustart zu dem Zeitpunkt zu wagen, an dem so viele andere große Bands das Gleiche tun - "The Who", "Genesis"?

Ich denke nicht, dass wir dieses Jahr viel Konkurrenz haben. Gegen die Rolling Stones, U2 oder Madonna wäre das etwas anderes, das ist eher unsere Kategorie.

Planen Sie ein neues Album?

Nein. Würde Sting neue Songs schreiben, wäre das toll. Aber ich werde ihn nicht danach fragen, er hat genug geleistet. Allein mit unseren Hits füllen wir zwei Stunden.

Spielen Sie die Originale oder überarbeitete Versionen?

Wir spielen nicht exakt die Originale. Jeder erkennt die Lieder, und es ist genug Ursprüngliches drin.

 Sie spielen viele Instrumente. Berühmt wurden Sie mit dem Schlagzeug - wegen Ihrer Synkopen-Technik und dem filigranen Hi-Hat-Spiel. Sind Sie wieder auf den Geschmack gekommen?

Ich habe zehn Jahre lang komplett aufgehört. Jetzt habe ich wieder damit angefangen - als Hobby. Da lege ich all meine Leidenschaft hinein. Es ist so einfach, sich nur um das Schlagzeug zu kümmern. Als Komponist habe ich Meetings, Anrufe, Geschäftliches. Jetzt haue ich nur auf die Trommeln ein.

Alle drei Mitglieder machten als Solomusiker weiter. Sie haben zudem Musik zu über 60 Filmen und Serien komponiert, etwa zu Francis Ford Coppolas "Rumble Fish" oder Oliver Stones "Wall Street". Tun Sie das immer noch?

Nicht dieses Jahr. Wie gesagt, ich habe auch ein Leben.

Bringen Sie Ihren sieben Kindern das Schlagzeugspielen bei?

Nein. Manche von ihnen interessieren sich für Musik, manche nicht. Sie werden es selbst rausfinden. Aber alle könnten Drummer werden.

Was denken Sie über aktuelle Indierock-Musik. Bands wie Maximo Park, haben die kreative Kraft?

Ja. Nachdem Hip-Hop überhaupt nichts hatte, ist das alles überraschend anders. Aber ich weiß nicht genau, was angesagt ist. Ich lebe im Elfenbeinturm. Neue Musik höre ich nur im Autoradio.

The Police spielen am 22. September im Münchner Olympiastadion.

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