Stilistische Pracht und Erzählfreude

Büchner-Preis für Mosebach: - Einseitigkeit kann man Martin Mosebach nicht vorwerfen. Er schreibt als Autor über viele Themen: über seine Heimatstadt Frankfurt, die Frankfurter Eintracht sowie über alte und moderne Kunst. Gerade weil er sich so vielfältig zu Wort meldet, ist der Schriftstsller aber nicht unumstritten.

Als der österreichische Autor Peter Handke bei der Beerdigung des früheren serbischen Machthabers Slobodan Milosevic eine Rede hielt, äußerte Mosebach Verständnis. 2002 veröffentlichte der bekennende Katholik außerdem unter dem Titel "Häresie der Formlosigkeit" eine Streitschrift für die Wiedereinführung der lateinischen Messe. Mosebach musste sich daraufhin öffentlich den Vorwurf gefallen lassen, ein Reaktionär zu sein.

Nun hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung Mosebach die bedeutendste literarische Auszeichnung in Deutschland, den mit 40 000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis zuerkannt. Sie würdigte den 55-Jährigen als "Schriftsteller, der stilistische Pracht mit urwüchsiger Erzählfreude verbindet". Er habe in seinen Werken ein Geschichtsbewusstsein bewiesen, das sich weit über die europäischen Kulturgrenzen hinaus erstrecke.

Die Darmstädter Jury bezeichnete den Autor als "genialen Formspieler auf allen Feldern der Literatur". Darüber hinaus sei er ein Zeitkritiker von unbestechlicher Selbstständigkeit. Der Preis soll Mosebach im Oktober während der Herbsttagung der Akademie verliehen werden. Mosebach wurde 1951 in Frankfurt am Main geboren, wo er noch heute lebt. Der Sohn eines Arztes schloss sein Jurastudium 1979 mit dem Zweiten Staatsexamen ab. An seinen Werken wurde immer wieder die präzise Form gelobt. Schon sein Romandebüt "Das Bett" erinnerte die Kritiker 1983 an Robert Musil und Thomas Mann.

Der Durchbruch auf dem Buchmarkt gelang Mosebach im Jahr 2000 mit dem Roman "Eine lange Nacht". Sein jüngster Roman "Der Mond und das Mädchen" wird am 4. August dieses Jahres erscheinen. Mosebach ist bereits Träger des Kleist-Preises und erhielt im vergangenen Jahr den Großen Literaturpreises der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

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