Stille Anteilnahme eines Fotografen

- "Mich hat immer interessiert, was nicht ich war oder was mich bei den anderen an mich erinnerte." Das Fremde und das Bekannte - ein europäischer Fotograf inmitten südamerikanischer und afrikanischer Kulturen. Doch die Lebensgeschichte von Pierre Fatumbi Verger (1902-1996) - überbracht in einem Nachlass von 62 000 Fotografien und einigen Originaltönen - kennt weder Sensationshascherei noch Inszenierung. Bescheiden erzählt sie vom Stolz der anderen und dem eigenen Respekt. Sie nimmt sich vor dem Unbekannten zurück und kommt ihm in dieser Verneigung ganz nah, denn sie vermag es, sich einzufühlen und zu verstehen: eine unaufdringliche Verschmelzung.

50 Jahre, von 1946 bis zu seinem Tod, hat der Franzose Verger vor allem der Bild-Dokumentation seiner brasilianischen Wahlheimat Salvador da Bahia gewidmet: den Menschen in ihrem auch kuriosen Alltag, ihren ausgelassenen Karnevalsumzügen, ihren tief empfundenen religiösen Bräuchen und Festen. Die Wanderausstellung "Schwarze Götter im Exil" macht den besonderen Geist der stillen fotografischen Anteilnahme Vergers nun auch in Deutschland sichtbar.

In München, der letzten Station, gibt ihm das Museum für Völkerkunde Raum. Doch der ist hier stark beschränkt und beschneidet auch die Zahl der Exponate. So begnügt sich die Schau - unter Zugabe einiger passender Skulpturen - mit einem Einblick in das einzigartige Schaffen dieses wichtigen reisenden Fotografen, der sich selbst auf einer "Wallfahrt von Quelle zu Quelle" sah, um die Fotografie als ethnologisches "Gedächtnis" einzusetzen. Bei einem solch außergewöhnlichen Sujet möchte man aber doch an Ort und Stelle mehr erfahren: auch, da man sich in einem ethnologischen Museum befindet, über die Gegenstände der nimmersatten Fotografie Vergers.

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung hingegen ist üppig: Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen, eine Performance und zum Abschluss ein Symposion geben vor allem der Frage nach der Möglichkeit eines "schwarzen Europäers", dem kulturellen Austausch im "transatlantischen Dreieck" von Afrika, Europa und Amerika eine Stimme.

Bis 14. Mai, Tel. 089/ 21 01 36 100. Der Fotoband kostet 49,90 Euro.

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