Stille Sensation

- Es gibt mehr Werke von Paul Klee zu sehen, auch die überaus lichtempfindlichen, etwa das zierlich auf tiefblaues Meer hingestrichelte "Abenteurer-Schiff". Es gibt neue Künstlerräume wie den von Asger Jorn mit wilden, bunten Furien, schrecklich und komisch, als würden Perchten lebendig. Jorn war die zentrale Figur der Cobra-Gruppe, die nach dem Krieg versuchte, in seelische Verwerfungen zu blicken; ganz im Kontrast zur feinsinnigen Abstraktion. Zu der Angst-Power Jorns passen ganz gut die subtilen, alles überwuchernden Angst-Geflechte des Surrealisten Bernard Schultze der Sammlung Wormland.

<P>Schönes Vermächtnis<BR><BR>Nicht nur in der Klassischen Moderne, sondern auch in anderen Räumen der Kunstabteilung hat sich etwas getan. Die Münchner Pinakothek der Moderne bietet neben den Wechselausstellungen ab jetzt dauerhaft einige andere "Gesichter", intensivere Akzentuierungen und spannende Bezüge. </P><P>Die eigentliche Sensation, wenn man das zu solch stillen, meditativen Arbeiten überhaupt sagen darf, ist jedoch die Installation von Fred Sandback. Die Kuratorin für Kunst ab 1950, Corinna Thierolf, konnte diesen Meister des Minimalismus' überreden, vier skulpturale Studien für die PDM zu entwickeln. Der Amerikaner sagte alle anderen Projekte ab und kam im Januar nach München. </P><P>Diese Werke sind zu seinem Vermächtnis geworden, da der 1943 geborene Sandback heuer im Juni gestorben ist. Er setzte bescheidenste Mittel ein, farbige Acrylfäden, um Räume zu verwandeln. Wenn er Ein- und Ausgang vertikal, schwarz betont und im dahinter liegenden Saal diese Senkrechte "Pink (Flamingo)" mitten hineinsetzt, dann ist die Leere zwar immer noch leer, aber hat sich mit Witz, Schönheit und Bedeutung aufgeladen. Und sie begegnet dem Betrachter freundschaftlich: Nur er sieht und belebt die aufspritzenden "Mikado"-Linien oder die fast unsichtbaren Architektur-Eingriffe im obersten Geschoss der Rotunde. Mit Sandback dem Donald-Judd- und dem Dan-Flavin-Raum besitzt die PDM nun einen ganz raren Minimalisten-Akkord.</P><P>Wer vollsaftiges Leben, farbstrotzende Kunst lieber mag, kann sich dagegen bei Blinky Palermo und Imi Knoebel delektieren. Beide gehen geometrisch - wenn auch mit amüsanten Ausbruchsversuchen - vor, ergänzen also auf ihre Art die Minimalisten, aber auch Robert Motherwells pinsel-verliebte Lust auf Farbe. Neben diesen Energiefeldern ist Fotokunst fast ein Ruhepunkt. Nun sehr zu bewundern Karl Blossfeldts (1865-1932) Pflanzenstudien aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts: Er transformiert Natur zu befremdlichen, fantastischen Formationen - selbst der Knoblauch bekommt die Aura des Außergewöhnlichen.<BR></P>

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