Die Stille zwischen den Tönen

- Die Frau hat eine Mission: die Menschen sollen merken, dass Jazz Spaß macht. Und die 40-jährige Kanadierin dringt mit ihrer Botschaft durch. Obwohl Jazz in den Hitlisten keine Rolle spielt, verkauft sie Millionen von Platten und füllt Konzertsäle. Auch die Münchner Philharmonie ist ausverkauft, als Diana Krall mit ihrer exzellenten dreiköpfigen Band das Publikum auf eine Reise durch die Geschichte des Jazz mitnimmt.

<P>Krall ist dem klassischen Jazz der Vierziger und Fünfziger verbunden, jener Variante also, in der Melodien das ausschlaggebende Moment waren und virtuose Improvisationen eine Verzierung, nicht das Hauptmotiv darstellten.<BR><BR>Mission erfüllt</P><P>Entspannt sitzt die Künstlerin am Piano, singt lässig mit dieser erstaunlich zart-herben Stimme Jazz-Standards, aber auch Stücke von Pop-Kollegen wie Tom Waits oder Elvis Costello. Ihn nennt sie ironisch einen ihrer Lieblingskomponisten, was Erheiterung auslöst - die beiden sind ein Ehepaar. Auf Show im eigentlichen Sinne verzichtet Krall bewusst. Sie plaudert zwar aufgeräumt über Liebe und Ehe ("Verlieben Sie sich - ich kann es empfehlen"), antwortet schlagfertig auf Zwischenrufe, aber im Vordergrund stehen die Lieder.<BR><BR>Die beeindrucken nicht zuletzt deswegen so nachhaltig, weil Krall und ihre Mitstreiter noch wissen, dass die Stille zwischen den Tönen Teil der Musik ist. Jedes Instrument bekommt Raum, um sich zu entfalten. Das Ergebnis ist ein leichtfüßig schwebender Klang. Ein wunderbarer Abend, wenn auch ein kurzer. Nach nur 90 Minuten verabschiedet sich Diana Krall: Mission erfüllt.</P>

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