Stiller Querdenker

- Mögen seine Schriftstellerkollegen noch so sehr Bushs Politik verurteilen, mögen noch so viele Menschen protestieren - György Konrad bleibt dabei: Der Irak-Krieg ist notwendig. Unter Verweis auf seine Erfahrungen mit totalitären Systemen geißelt er das "groteske Verständnis für todbringende Diktaturen". Die Haltung überrascht, passt aber zu diesem stillen Unbequemen, zu diesem Quer- und Vordenker, der heute 70. Geburtstag feiert.

<P>"Mein Vaterland, so glaube ich, wollte mich töten", schrieb einmal der Sohn eines jüdischen Eisenwarenhändlers. "Schon früh hatten wir gelernt, dass wir verboten waren." Konrad stammt aus Debrecen, ein Großteil seiner Familie wurde später ermordet. Sein fast zufälliges Überleben empfindet der Autor heute als "Glück". Und so heißt auch sein jüngster Roman, eine Erinnerung an die Jahre nach dem deutschen Einmarsch in Ungarn.<BR><BR>Konrad studierte Literatur, Soziologie und Psychologie und veröffentlichte in den 60er-Jahren erste Essays. 1969 folgte sein Romandebüt: "Der Besucher". Seine Schrift "Die Intelligenz auf dem Weg zur Klassenmacht" bescherten ihm Arbeitsplatzverlust und Verhaftung, was weltweite Proteste auslöste. Wegen politischer Angriffe und Publikationsverbote lebte Konrad zeitweise im Ausland. Der Karls- und Friedenspreisträger sowie frühere Präsident des internationalen PEN-Clubs gilt als Mitbegründer der demokratischen Opposition Ungarns.<BR><BR>Im Mai wird György Konrad sein Amt als Präsident der Berliner Akademie der Künste aufgeben, um sich wieder mehr dem Schreiben zu widmen. Und womöglich könnte er dann auch seine Meinung zur Irak-Frage geändert haben - schließlich notierte er Anno 2000 zur Jugoslawien-Krise: "Der Krieg kennt nur das Gesetz der Eskalation. Militärische Mittel können das Töten nicht beenden."</P>

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