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Am Freitag noch im Zenith -  am Samstag bei Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass...?" in Düsseldorf: Oasis.

Konzert

Stimme einer Generation

Frühlingsfest der Liebenswürdigkeiten: Die britische Band Oasis überraschte im Münchner Zenith.

Nach einer Dreiviertelstunde wirft sich Liam Gallagher ein Handtuch über. Rubbelt sich die Koteletten trocken und verharrt mit dem Frottee um den Kopf. Es ist einer der Momente beim Oasis-Konzert, in denen im Münchner Zenith die Feuerzeuge klicken. Trotz Rauchverbot. Die Zuschauer sind nervös. Bis jetzt lief es geradezu unwirklich gut. Ist es vorbei? Zieht er das Tuch wieder runter? Oder singt er alles Weitere mit dem Stoff überm Kopf?

Passen würde es, allzu gut sogar. Schließlich haben Oasis, diese supercoolen Briten, einst nicht nur die Rockmusik gut durchgerubbelt, haben Pilzköpfe und Turnjacken wieder salonfähig gemacht, nein - sie haben mit ihrer maßlosen Arroganz ihre Anhänger auch immer wieder im Regen stehen lassen. Da gab es früher Konzerte, in denen sie nur drei Lieder spielten. Oder in denen Liam komplett den Gesang verweigerte. Oder die gar nicht stattfanden, weil er sich mit Bruder Noel gezankt hatte. Diese Vorgeschichten im Kopf lassen die Zuhörer, darunter eine Menge hartgesottene, Bierbecher werfende Engländer, nun zittern. Dabei wünschen sie sich vielleicht einen kleinen Skandal. Und um den Glauben an diese respektlose Rebellenband nicht zu verlieren, die einst behaupteten, "besser als die Beatles" zu sein.

"Die sind ja total verweichlicht!"
Eine zuschauerin

Aber diesmal: Es passiert nichts. Noch bevor die Zigaretten ausgetreten sind, ist Liam wieder zu sehen. Und singt einfach weiter. Nicht nur das: Er, Noel und die drei anderen bescheren den rund 7000 Münchnern ein echtes Frühlingsfest - nicht der Überraschungen, aber der Liebenswürdigkeiten. Werden die Oasis-Leute alt? Haben ihnen ihre Frauen - beide Typen sind inzwischen verheiratet - zugesetzt? Wollen sie sich am Ende noch einen "Sir" holen?

Tatsächlich gibt ihre Songauswahl zu denken. Sie eröffnen mit "Rock ’n’ Roll Star" vom Debütalbum "Definitely Maybe". Mit diesem hatten sie 1994 die Fin-de-siècle-Stimmung, die nach dem Tod von Nirvana-Frontmann Kurt Cobain die Jugend lähmte, einfach weggefetzt. Mit dem Nachfolger "(What’s The Story) Morning Glory?"), den Gitarrenbrettern, den hymnischen Melodien, dem fantastischen Liedaufbau, dem quäkigen Gesang, hatten sie sich dann endgültig als Stimme ihrer Generation durchgesetzt. Und prompt sind auch jetzt die alten Songs die besten: "Morning Glory", "Wonderwall", "Champagne Supernova". Dass Oasis indes als Schluss den Beatles-Knaller "I Am The Walrus" zünden - wiederholen sie damit erneut ihre Selbstüberschätzung: Wir können es besser? Oder ziehen sie damit nun doch den Hut vor dem unerreichbaren Vorbild?

Wie auch immer, Oasis beweisen, dass sie begeistern, dass sie rocken können - und das ohne Koksreste an der Nase und Ignorieren des Publikums. Ja, die Herren um die 40 zeigen sich fast seriös und gefühlvoll. Liam spricht mit den Leuten, wenn auch in fies genuscheltem Manchester-Englisch. Er freue sich, in München zu sein, sagt er und widmet den Münchnern ausgerechnet "Ain’t Got Nothin’", in dem es heißt: "Mich kümmert’s nicht mehr, was sie sagen/ Alles was ich will, ist die Wahrheit".

Zwar variieren sie die Lieder kaum zu echten Live-Versionen und spielen sie, wenn auch leidenschaftlich, halt runter. Die neuen Songs vom mittelprächtigen Album "Dig Out Your Soul" - experimentell, aber unauffällig - fügen sich gut ein, überraschen jedoch nicht. Die Ballade "I’m Outta Time" ist sogar, wie am Samstag zu sehen war, bestens "Wetten, dass...?"-tauglich. Doch dazu spendiert Noel ein wunderbares "Don’t Look Back In Anger" und nickt dem mitsingenden Publikum so aufmunternd zu wie ein Musiklehrer, der seinen Eleven ein Volkslied beibringt. Als Liam nach eineinhalb Stunden eine atemlose Anhängerin auf die Bühne holt, ihr das Mikrofon in die Hand und sie an sich drückt, da lässt er die Fans endgültig in Ratlosigkeit zurück: "Die werden alt! Die sind ja total verweichlicht!", empört sich ein Mädchen, um dann hinzuzufügen: "Aber ich find’s cool, dann spielen sie wenigstens gescheit."

Übrigens: Oasis machen wirklich Volkslieder. Der Taxifahrer, der unser Grüppchen nächtens durch den MVV-Streik bugsiert, sagt, er kenne die Band nicht. Doch als wir anfangen zu singen, fällt er fröhlich ein: "And after all/ You’re my wonderwall..."

Christine Ulrich

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