Die Stimme flutet frei

- "Eine jener begnadeten Stimmen, die nur alle Jubeljahre auftauchen", befand Astrid Varnay in ihrer Autobiografie. Und Violeta Urmana, ausgebildet in München, hat die Karriereleiter zur Weltspitze erklommen, ist als Kundry oder Eboli konkurrenzlos und wagt nun den Wechsel zum dramatischen Sopran, 2005 singt sie im Nationaltheater die Leonora in "Die Macht des Schicksals": Wie sie da wohl mit Kammermusik zurecht kommt?

<P>Ganz ausgezeichnet, so die Diagnose nach dem Festspiel-Liederabend im Prinzregententheater. Denn die Urmana hat eine seltene Gabe. Was auch geschehen mag, welche Extremlagen, welch dynamische Kontraste, knifflige Intervallsprünge oder Vokalschrauben auch verlangt sein mögen: Stets wiegt sie den Hörer in Sicherheit - ein glückliches Zusammentreffen von geschmackvoller Gestaltung und nahezu perfekter Technik.<BR><BR>Der Tonansatz ist makellos, die Stimme flutet frei und ohne Schärfen auf dem Atem, kann mühelos für Lied-Miniaturen reduziert werden, ohne dass sie gestaut wirkt oder an Substanz einbüßt. Völlig ungekünstelt entwickelt Violeta Urmana die Stücke aus dem musikalischen Verlauf, meidet also äußerlich Inszeniertes, beschert dafür wahre Klangbäder. Für Wagners "Wesendonck-Lieder" mit ihrem intimen Pathos ist dies das rechte Rezept. Auch für die großbogigen Strauss-Stücke nach der Pause: "Die Georgine", "Lob des Leidens" oder "Wasserrose" bestechen durch den gut dosierten, aufwallenden Gestus. Eher nach innen gewendet die "Zueignung", die damit jeglichen Hit-Charakter verliert.<BR><BR>Was weniger hörbar wurde, war der versteckte Humor, auch der verschattete Ton mancher Werke - vor allem der Nummern aus Hugo Wolfs "Spanischem Liederbuch". Vielleicht lag's am Programm, das ein Übermaß an Weh und Ach bot, vielleicht auch am sorgsam begleitenden Jan Philip Schulze am Flügel, der dramatische Impulse dem Star überließ. Gegen Ende nahmen die Temperamentsausbrüche zu. Strauss' "Frühlingsfeier" wurde von Violeta Urmana zu imponierender Größe geweitet, bei seiner zugegebenen "Cäcilie", spätestens bei Ponchiellis Arie der Gioconda war's dann so weit - Standing Ovations. </P><P><BR> </P>

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