Von der Stimme geführt

- Auf der Opernbühne ein Schubert-Lied anzustimmen, ist eher ungewöhnlich. Kein Wunder, dass sich Dirigent Donald Runnicles köstlich amüsierte, den jungen Sänger aber dennoch engagierte. Als Truffaldino für Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos". Damals war Hanno Müller-Brachmann noch Student an der Freiburger Hochschule und hatte beim dortigen Stadttheater vorgesungen.

<P>Mittlerweile hat die Oper den Sieg errungen über Lied und Konzert - zumindest quantitativ. Denn seit 1998 ist der heute 34-jährige Bariton an der Deutschen Staatsoper Berlin engagiert. Ab kommenden Sonntag ist er Münchens neuer Papageno in der alten "Zauberflöte" von August Everding. Helmut Lehberger hat sie fürs Nationaltheater reanimiert, Ivor Bolton dirigiert.</P><P>Als Knabensopran in Basel begonnen</P><P>Müller-Brachmann gefällt die Produktion gut, zumal er schon in Berlin in einer ähnlichen, ebenfalls von Everding auf der Bühne stand. So, wie er ausschaut - jung, nett, natürlich -, scheint er der geborene Vogelfänger. Doch der Sänger wehrt ab: "Ich musste mir den Papageno für Berlin richtig erarbeiten. Jeder denkt immer, den singt man doch so runter, aber ich komme aus dem Bassbariton-Fach und habe mit dem Sprecher in der ,Zauberflöte angefangen."</P><P>Tatsächlich angefangen mit dem Singen hat Hanno Müller-Brachmann als Sopran in der Knabenkantorei Basel, wo er auch die Musikakademie besuchte. Als deutsches Grenzkind pendelte er in die Schweiz und lernte dort zunächst einmal die Alte Musik kennen. Nach Studien in Freiburg landete er schließlich in Mannheim bei Professor Rudolf Piernay, mit dem er heute noch zusammenarbeitet.</P><P>"Es ist wichtig, dass man alle Stile kennt", sagt Müller-Brachmann, der sich nicht für einen entscheiden möchte. "Es gibt ein Repertoire in der Alten Musik, das ich sehr gerne mag, aber ich singe auch Puccini, den Schaunard in der ,Bohème oder sogar Wagner. Daniel Barenboim hat mich an die mittleren Partien herangeführt. Beim ihm war ich Kothner, Biterolf und Donner."</P><P>Glück hatte der sympathische Bariton schon früh: Neben den Erfolgen bei mehreren Wettbewerben traf er auf renommierte Dirigenten, unter ihnen René´ Jacobs, mit dem er an der Berliner Staatsoper debütierte, oder auch Michael Gielen, der seine ersten Bach-Passionen mit ihm besetzte. Mit Gielen machte er auch Schönbergs "Jakobsleiter", und der Dirigent hat ihm jetzt seine Jugendwerke, Bariton-Lieder, zugeschickt. "Das ist schon eine Ehre", freut sich Müller-Brachmann, der gegenüber der Neuen Musik "keine Berührungsängste" kennt. "Nur eines ist wichtig: Man muss sich von der Stimme führen lassen, darf sie nicht vergewaltigen, wohl aber fordern."</P><P>Deshalb gibt er sich auch in punkto Fernziel eher bedeckt. "Ich muss doch jetzt noch keinen Hans Sachs singen. Den Orest kenne ich schon, den Grafen in Schrekers ,Der ferne Klang und auch den Golaud in ,Pelleas. Jetzt folgen Escamillo und Tomsky in ,Pique Dame." Und daneben natürlich Oratorien, Konzerte und Liederabende. 60 bis 70 Auftritte sind das pro Saison.</P><P>Dazu kommt noch ein Lehrauftrag, denn: "Wir durften es lernen, von jemandem, der es kann, und wir haben die Pflicht, es weiterzugeben." An einer Jet-Set-Karriere liegt Hanno Müller-Brachmann nichts: "Ich bin relaxed und außerdem sehr daran interessiert, bei meiner Frau und meinen beiden kleinen Söhnen zu sein." Also doch beste Voraussetzungen für einen Papageno.</P>

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