Stimmen aus Guantánamo

- Die Gewalt hat Narben hinterlassen. Nach außen hin sichtbare wie bei Timur Ischmuradow, den amerikanische Soldaten 50 Meter über den Boden geschleift haben, vor allem aber innere wie bei Khalid Mahmoud al-Asmar, der nach seiner Entlassung aus Guantá´namo über schwere Persönlichkeitsveränderungen klagt.

Zeitgleich mit der Forderung der UN-Menschenrechtskommission, das Gefangenenlager auf Kuba zu schließen, hat Autor und Fernsehmoderator Roger Willemsen nun ein Buch über Guantá´namo veröffentlicht, in dem er die Häftlinge zu Wort kommen lässt. Fünf ehemalige Gefangene hat Willemsen für Interviews gewinnen können, fünf Männer unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Herausgekommen ist ein erschütterndes Zeugnis der Gewalt und Erniedrigung, in dem aber auch Stärke und Hoffnung eine Rolle spielen. "Hier spricht Guantá´namo", heißt das Buch, das von innen heraus über die Zustände im Lager berichtet.

"Jeder war psychisch krank. Auch ich bin es noch", sagt Abdulsalam Daeef, einer von Willemsens Gesprächspartnern, und beschreibt damit, was die meisten Gefangenen miterlebt haben. Und das ist schockierend, vor allem weil es sich an einem Ort abspielt, den es gar nicht geben dürfte, einem Ort, der zum Synonym geworden ist für Menschenrechtsverletzungen im 21. Jahrhundert, begangen von einer Nation, die sich selbst als demokratisch bezeichnet - die USA.

Dank einer einfühlsamen Fragetechnik gelingt es Roger Willemsen, seine durch brutale Verhörmethoden oftmals traumatisierten Dialogpartner zum Sprechen zu bringen, offene Antworten auch auf hochsensible Fragen zu erhalten.

Feste Beweise für die unhaltbaren Zustände in Guantá´namo kann Willemsen nicht liefern. Doch erlauben die Übereinstimmungen der unterschiedlichen Darstellungen einen Rückschluss auf die Fakten - und machen das Buch zu einem glaubwürdigen Dokument.

Roger Willemsen: "Hier spricht Guantánamo". Verlag Zweitausendeins, Frankfurt a.M., 238 Seiten; 12,90 Euro.

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