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Bruce Willis alias Polizist John McClane kämpft seit 25 Jahren gegen das Böse.

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„Stirb langsam“ - Bruce Willis im Interview

München - Bruce Willis spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die Jahrzehnte mit seinen Filmen und der Freude an seiner jungen Familie.

Ein Vierteljahrhundert nach dem ersten „Stirb langsam“-Spektakel kehrt Bruce Willis am kommenden Donnerstag zum fünften Mal in seiner Paraderolle als Polizist John McClane auf die Leinwand zurück: mit „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“. Am Tag nach der Weltpremiere in Berlin begrüßt uns der 57-jährige Star, der mit dem 23 Jahre jüngeren Model Emma Heming verheiratet ist, im Hotel Adlon – in Jeans, T-Shirt und weit geöffnetem Hemd. Er spricht bedächtig, hat Lachfältchen um die Augen und zeigt immer wieder sein verschmitztes Lausbuben-Grinsen.

Sie sind im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein geboren; Ihr Vater war ein amerikanischer Soldat, Ihre Mutter eine Deutsche. Sprechen Sie Deutsch?

(Auf Deutsch) Ja, ein wenig. Verschtescht du mich?

Ja!

(Auf Englisch) Trotzdem sollten wir das Interview vielleicht doch lieber in meiner Vatersprache führen. Im Übrigen müssen Sie etwas lauter sprechen, denn ich höre leider nicht mehr so gut. Ich schätze, es gab in meinem Leben zu viele Schießereien und Explosionen um mich herum! (Lacht.)

Hat Ihre Mutter Ihnen deutsche Tugenden und Traditionen vermittelt?

Nein, soweit ich mich erinnere, gab es in meiner Kindheit nichts spezifisch Deutsches. Meiner Mutter war ihre Herkunft nicht wichtig. Sie hat mich vor allem dazu erzogen, ein guter Mensch zu werden. Kurz gesagt: Sie hat mir wunderbare Werte vorgelebt.

Draußen auf dem Gang ist mir Ihre Ehefrau Emma entgegengekommen, mit Ihrer gemeinsamen zehn Monate alten Tochter Mabel auf dem Arm…

Süßer geht’s nicht, oder?

Stimmt. Inwieweit gibt Ihnen Ihre junge Familie Kraft?

Sie ist das Wichtigste in meinem Leben. Sie gibt mir alle Kraft der Welt. Ganz im Ernst: Alles andere hat letztlich keinerlei Bedeutung für mich. Interviews geben? Filme drehen? Gähn! Ja, sicher, mein Beruf ist auch aufregend und macht mir im Grunde genommen durchaus Spaß, aber manchmal trennt er mich eben auch von meiner Familie – und das mag ich überhaupt nicht!

In Ihrem fünften „Stirb langsam“-Film kämpft Ihr Filmsohn Jack McClane an Ihrer Seite. Im wirklichen Leben haben Sie vier Töchter – das heißt, Sie dürften im Leben eine Menge Barbie-Puppen gesehen haben. Wünschen Sie sich manchmal einen Sohn, mit dem Sie Bubenkram treiben und Männergespräche führen können?

Nein, ich bin wunschlos glücklich. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn ich noch fünf weitere Töchter bekäme. Denn ich glaube nicht, dass ich ohne Sohn irgendetwas verpasse. Zudem sind meine drei ersten Töchter längst in einem Alter, in dem sie ihre Freunde mit nach Hause bringen. Mit denen hänge ich manchmal ab. Das reicht mir. Also: Keine Angst – es sind genug Kerle um mich herum!

Was haben Sie für ein Verhältnis zu der Figur des John McClane, mit der Sie berühmt geworden sind und die Sie nun seit den 80er-Jahren schon fünf Mal verkörpert haben? Mögen Sie den Kerl? Ist er eine Art Alter Ego für Sie?

Es ist nur ein Job. Reine Erfindung, pure Unterhaltung, das ist alles. Die „Stirb langsam“-Filme sind nichts weiter als große Action-Spektakel, in denen Waffen abgefeuert werden, Flugzeuge abstürzen und auch sonst einen Menge verrücktes Zeug passiert. Zu Beginn meiner Karriere hätte ich nie gedacht, dass man mich immer wieder für solche Filme anheuern würde.

Wie hart war es diesmal für Sie, die Action-Szenen zu drehen? Und wie hart war es vor 25 Jahren?

Es war nie hart für mich, weder damals noch heute. Denn für die wirklich schwierigen Szenen gibt es schließlich Stuntmänner. Ich gehöre nicht zu den Leuten, denen einer abgeht, wenn sie lauthals verkünden, wie viele Stunts sie angeblich selbst absolviert haben. Ich mache nur die Stunts, die mir wirklich sicher erscheinen. Aber es freut mich natürlich, wenn ich auf der Leinwand glaubwürdig wirke.

Sind Sie in all den Jahren nie in heikle und gefährliche Situationen geraten?

Doch, immer wieder. Bei den Dreharbeiten zum dritten „Stirb langsam“-Film bin ich sogar nur knapp am Tod vorbeigeschrammt: Ich stand in meinem ursprünglich weißen, aber inzwischen ziemlich verdreckten T-Shirt auf einem sehr hohen Gerüst, und hinter mir sollte eine Explosion gezündet werden. Doch irgendwie haben sie zu viel Wumms in den Sprengstoff gepackt, sodass mich die Druckwelle schier vom Gerüst blies. Wenn ein Crewmitglied mich nicht geistesgegenwärtig an meinem T-Shirt gepackt und zurückgezogen hätte, wäre ich dabei draufgegangen.

John McClane ist stets zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie hingegen haben offenbar ein Gespür für gutes Timing. Ist das alles nur Glück? Oder steckt ein Plan dahinter?

Reiner Zufall. Für mich gab es nur ein Ziel, als ich in New Jersey aufwuchs: Ich wollte in New York Theater spielen. Das hat auch geklappt. 1984 ging ich nach Los Angeles – aber eigentlich nur, weil ich die Olympischen Sommerspiele live mitverfolgen wollte. Ehe ich mich versah, hatte ich einen Agenten, der mir diverse Castings verschaffte, unter anderem zu der Krimikomödien-Serie „Das Model und der Schnüffler“. Dann kam plötzlich das Angebot für die Hauptrolle im ersten „Stirb langsam“-Film, die ich eigentlich gar nicht hätte annehmen können, weil ich ja in dieser TV-Serie feststeckte. Doch zum Glück wurde meine Serienpartnerin Cybill Shepherd schwanger, und man unterbrach die Serie für elf Monate. Seitdem habe ich alles einfach auf mich zukommen lassen – ohne jedes Ziel.

Haben Sie auch keine Pläne für die Zukunft?

Nein, abgesehen davon, dass ich am liebsten jede einzelne Minute mit meiner Familie verbringen würde. Aber ich hätte große Lust, mal wieder eine richtig schöne Komödie zu drehen – vorzugsweise eine mit messerscharfen Dialogen. In diesem Genre sind gute Drehbücher jedoch äußerst selten. Persönlich habe ich ein Faible für schräge Filme – am liebsten spiele ich merkwürdige Figuren.

Sind Sie bereit, den „Stirb langsam“-Stab an Ihren Film-Sohn weiterzureichen?

Dazu ist die Zeit noch nicht reif. Gerne würde ich noch ein bis zwei neue John-McClane-Abenteuer drehen. Ich mache weiter, so lange ich noch eine Knarre halten und mich aufs Dach eines Hochhauses schleppen kann! (Lacht.)

Glauben Sie denn, dass es überhaupt möglich wäre, in einem sechsten Teil noch eins draufzusetzen?

Na klar! Ich finde, wir sollten einfach noch mehr Action reinpacken und die ganze Schauspielerei bleiben lassen, oder? Ich meine, dieses zwischenmenschliche Gedöns über Väter und Söhne, bla, bla, bla – wer braucht das? Wir sollten uns darauf konzentrieren, von Gebäuden zu springen und einen Haufen Sachen in die Luft zu jagen. Springen und sprengen – das sollte unser Fokus sein! (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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