Wie die Stockfische

- 150 Komödien hat Carlo Goldoni (1707-93) geschrieben, und nicht wenige über Jungvolk und seine Liebesangelegenheiten. Kein Wunder, dass Schauspielschulen gerne nach Goldoni greifen. Gerade hat die Bayerische Theaterakademie mit "Krach in Chioggia" einen Volltreffer gelandet. Und da kurz darauf die Münchner Falckenbergschule "Die Trilogie der schönen Ferienzeit" (1761) herausgebracht hat, muss sie sich daran messen lassen.

Goldoni zeichnet hier das Bürgertum, das im Nachäffen des Adels schon genauso erstarrt ist: Alle, der junge Leonardo wie der alte Filippo und Mitgiftjäger Ferdinando, sind hochverschuldet, fahren dennoch aufs Land, mit Bergen von Luxusfeinkost verproviantiert und nach dem allerletzten Schrei herausgeputzt. Da Leonardo Filippos Tochter Giacinta heiraten möchte, ihn jedoch die Eifersucht auf den mitfahrenden Rivalen Guglielmo plagt, kommt es zu schmollenden Verzögerungen, Koffer-Ein- und wieder -Auspacken. Und einmal auf dem Lande, wird nur parliert über Mode, die Nachtruhe, das Essen, die Verdauung.

Beim Lesen der gekonnt furztrockenen deutschen Fassung von Johannes Rieder und Christoph Leimbacher war man sicher: Das kann nur ein schräger Theaterspaß werden. Und irrte. Gewaltig. Falckenberg-Direktor Leimbacher meinte offensichtlich, Erstarrung und existenziellen Leerlauf realiter, ohne theatrale Tönung auf die Bühne übersetzen zu müssen. Die lapidaren Äußerungen - ein ungeheures Komikpotenzial! - versinken wie Bleisäcke in den viel zu langen Pausen dazwischen. Der Text ist sauber gesprochen, das ist auch schon die einzig zu vergebende Note.

Die Sprache gewinnt keinerlei Phrasierung, geschweige denn Melodie, was nicht den jungen Spielern anzulasten ist. Der Regisseur mutet ihnen eine fast Tschechow'sche Lethargie zu - und das bei dem Venezianer Goldoni. Eine Spur Commedia dell'arte, auf jeden Fall ein mediterran bewegter Körperausdruck wäre gefragt, in dem sich die 14 jungen Darsteller hätten profilieren können. Hier gehen und stehen sie wie die Stockfische. Einmal darf Guglielmo vor Giacinta seinen ranken Body in den Garten-Swimmingpool tauchen. Ein zaghaft schöner, ein einsamer Verführungsakt. Was sonst an Gefühlen loderte im Liebes-Dreieck mit Leonardo, es blieb verbale Beteuerung. Malve Gradinger

Am 22., 23., 26., 27. 7., Tel. 089/ 23 33 70 82.

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